Arbeitsgruppe Neuroendokrine Tumoren/Karzinoide - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2008

innerhalb der Interdisziplinären Arbeitsgruppe NETWORK‘s

In diesem Jahr wurde die von Herrn Prof. Dr. R. Arnold, Universität Marburg, initiierte und national geführte PROMID-Studie (Placebokontrollierte prospektive randomisierte Studie zur antiproliferativen Wirksamkeit von Octreotid bei Patienten mit metastasierten neuroendokrinen Tumoren des Midgut) nach einer Interims-Analyse von 84 Patienten beendet. Die Ergebnisse der Studie werden von Prof. Dr. Arnold in Kürze publiziert.

Eine weitere, internationale placebo-kontrollierte Studie mit Einsatz des Somatostatinabkömmlings Lanreotid ist weiterhin aktiv und rekrutiert Patienten mit nicht-funktionellem entero-pankreatischem endokrinem Tumor bis voraussichtlich September 2009.

Abgeschlossen wurden zwei Investigator Initiated Trials (PTK/ZK- Studie und ENET-1 Studie) an der Charité (Studiengruppe Prof. Dr. B. Wiedenmann). In der PTK787/ZK-Studie (Prospektive, nicht randomisierte, offene, multizentrische Phase II- Studie mit PTK/ZK bei Patienten mit fortgeschrittenen neuroendokrinen Carcinomen) wurde bei Patienten mit neuroendokrinen Carcinomen verschiedenen Ursprungs (Foregut, Midgut, Hindgut, CUP) nach Versagen einer Biotherapie (SSA, IFN-alpha) oder Chemotherapie und weiterer Therapieverfahren als bestes Ansprechen bei zuvor progredienter Tumorerkrankung eine stabile Erkrankungsphase bei 55% der Patienten nach 6 Monaten erzielt. Die TTP lag bei 7.5 Monaten. In einer Studie des MD Anderson Cancer Center wurde eine partielle
Remissionsrate von 18 % bei Kombinationstherapie von Octreotid und Bevacizumab erreicht. Die Fallzahlen in den Studien sind insgesamt klein. Zukünftig könnten Angiogenese-inhibitoren bzw. Multityrosinkinase-Inhibitoren mit antiangiogenetischer Wirkung (z.B. Sunitinib) in Kombination mit Somatostatinanaloga oder Chemotherapeutika an Bedeutung gewinnen. In der ENET-1 Studie wurde der Einsatz von Octreotid LAR 30 mg mit Streptozotocin + 5-FU in der Erstlinientherapie bei progredienten neuroendokrinen Carcinomen des Pankreas verglichen. Das Rekrutierungsziel wurde nicht erreicht, dennoch zeigte sich bei einer Zwischenanalyse ab, dass die partielle Remissionsrate unter Chemotherapie höher und die TTP mit 15 Monaten günstiger ist als in der Gruppe mit Octreotid-Therapie (7 Monate). Das Studienergebnis schließt nicht aus, dass Patientensubgruppen auch primär von einer Somatostatinanaloga-Therapie profitieren. Die o.g. Lanreotid-Studie wird möglicherweise offene Fragen zukünftig klären können.

Erwähnenswert ist noch das Ergebnis einer internationalen Studie zum Einsatz von Everolimus nach Versagen einer Chemotherapie bei progredienten neuroendokrinen Carcinomen des Pankreas (RADIANT-1). Die Ergebnisse der Studie wurden in diesem Jahr auf dem ESMO präsentiert. Es wurde unter Einsatz von Everolimus bei 115 Patienten eine partielle Remissionsrate von 7.8 % erzielt, eine stabile Tumorerkrankung bei 68.7%. Das progressionsfreie Überleben betrug 9.3 Monate. In einer Behandlungsgruppe, die zusätzlich Octreotid erhielt (n=45) lag die PFS bei 12.9 Monaten. Es bleibt zukünftig zu prüfen, ob die Kombinationstherapie mit Octreotid der Everolimus-Monotherapie überlegen ist.

Weitere groß angelegte Studien sind erforderlich, um den Stellenwert der verschiedenen Therapieverfahren bei den einzelnen Tumorentitäten (Pankreas, Intestinum) in der Erstlinientherapie und im Rahmen von Folgetherapien zu evaluieren. Insofern möchten wir zum Einschluss zahlreicher Patienten in klinische Studien ermuntern.