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AIO-Wissenschaftspreis 2010

Verleihung des AIO-Wissenschaftspreises 2010

Auf dem 7. Herbstkongress der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) in Berlin wurde in feierlichem Rahmen der AIO-Wissenschaftspreis verliehen.
     
Aufgrund einer großen Anzahl hochwertiger Arbeiten die für den Wissenschaftspreis eingereicht wurden und aufgrund der hohen Leistungsdichte, entschied das wissenschaftliche Kuratorium in diesem Jahr den translationalen Teil des AIO-Wissenschaftspreise in zwei Teilen zu vergeben, und zwar an Prof. Dr. Alwin Krämer vom Universitätsklinikum Heidelberg und Prof. Dr. Florian R. Greten vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Der Wissenschaftspreis für den klinischen Teil wurde Prof. Dr. Rolf D. Issels vom Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München zuerkannt. Insgesamt wurden in diesem Jahr 13 klinische und 10 präklinische Publikationen eingereicht.

Präklinischer Teil: Etablierung eines Mausmodells für Kolonkarzinogenese

Prof. Dr. Greten
Prof. Dr. Greten

Als erster Preisträger für den präklinischen Teil wurde Prof. Dr. Greten geehrt. In der hier ausgezeichneten Arbeit ist es gelungen das erste Mausmodell für die sogenannte serratierte oder alternative Kolonkarzinogenese zu etablieren und zu demonstrieren, dass das Auftreten einer Onkogen-induzierten Seneszenz im Wesentlich für das Verhindern einer Progression von KRAS-mutierten serratierten prämalignen Läsionen verantwortlich ist.

Erst durch einen Verlust des Tumorsuppressors Ink4a/Arf kommt es zu einer rasch progredienten Karzinomentwicklung, die im Mausmodell mit einer hohen Metastasierungsrate einhergeht. Analog findet sich auch in humanen serratierten Tumoren eine initiale Hochregulation von p16INK4A. Interessanterweise kommt es in invasiven Karzinomen, meist durch eine Hypermethylierung verursacht, zu einem Verlust von p16INK4A insbesondere an der Invasionsfront. Auch andere genetische Marker, die charakteristisch für serratierte Tumoren sind lassen sich in unserem Mausmodell wieder finden. Mit dem hier beschriebenen Mausmodell lassen sich daher in Zukunft weitere Untersuchungen durchführen, um die entsprechenden molekularen Veränderungen zu identifizieren, die für eine maligne Progression von hyperplastischen Polypen und serratierten Adenomen verantwortlich sind. Darüberhinaus stellt dieses Modell ein geeignetes System dar um diagnostische und therapeutische Ansätze dieser Tumorentität relevant in vivo zu untersuchen. Darüberhinaus zeigt diese Arbeit aber auch die bisher für die Kolonkarzinogenese wenig beachtete Relevanz von Onkogen-induzierter Seneszenz und p16INK4A.

Neuer Schutzmechanismus der Krebszelle entdeckt

Prof. Dr. Alwin Krämer
Prof. Dr. Alwin Krämer

In der zweiten prämierten präklinischen Arbeit unter der Federführung von Prof. Dr. Alwin Krämer wurde eine bislang wenig beachtete „Achillesferse“ des Krebses systematisch untersucht und dabei ein Mechanismus entdeckt, der Krebszellen verwundbar macht. Bei der normalen Zellteilung schaffen bestimmte Proteinstrukturen, die Zentrosomen, die Voraussetzung für eine ordnungsgemäße Zellteilung: Sie sind Ausgangsort fadenförmiger Strukturen, den Mikrotubuli, die über die Ausbildung des Spindelapparates eine strukturierte und organisierte Aufteilung des Chromosomensatzes auf zwei Tochterzellen ermöglichen.

Ein Großteil der Krebszellen hat mehr als zwei Zentrosomen und wäre damit nicht überlebensfähig, hätten sie nicht einen Weg gefunden, dieses Chaos in ihrem Erbgut zu umgehen. Mit der prämierten Arbeit wurde ein bisher nicht bekanntes Netzwerk an Proteinen entdeckt, das die Krebszelle in die Lage versetzt, die Zentrosomen zu bündeln. Damit wird eine ordnungsgemäße Zellteilung ermöglicht, die Krebszelle überlebt.

Die Entdeckung der dafür verantwortlichen Proteine liefert viel versprechende Angriffspunkte für die Entwicklung neuer zielgerichteter Krebsmedikamente, die diese Proteine hemmen und den Selbstschutzmechanismus der Krebszelle außer Gefecht setzen. Die Studie wurde im Fachjournal „Science Translational Medicine” im Mai 2010 unter dem Titel „Proteins Required for Centrosome Clustering in Cancer Cells“ publiziert.

Klinischer Teil: Regionale Hyperthermie verbessert Therapieerfolg bei Weichteiltumoren

Prof. Dr. Rolf D. Issels
Prof. Dr. Rolf D. Issels

Im Bereich der klinischen Tumorforschung erhielt Prof. Dr. Rolf D. Issels den AIO-Wissenschaftspreis für die Studie „Neo-adjuvant chemotherapy alone or with regional hyperthermia for localised high-risk soft-tissue sarcoma: a randomised phase 3 multicentre study”, die im Fachjournal Lancet Oncology im April 2010 erschienen ist.

Der Therapieerfolg bei Patienten mit Hochrisiko-Weichteilsarkomen ist stark abhängig von der Größe des Tumors.

Daher ist es besonders wichtig, diesen vor einem chirurgischen Eingriff zu verkleinern. In der prämierten Studie konnte Prof. Issels mit seinem Forscherteam die Wirksamkeit der regionalen Hyperthermie in Kombination mit Chemotherapie bei Sarkomen in einer weltweit ersten Phase III-Studie belegen. Die regionale Hyperthermie macht sich zunutze, dass erhöhte Körpertemperaturen Zellen und damit auch Tumorzellen in Stress versetzen. Die Erwärmung macht die Tumorzellen angreifbar, vor allem auch für eine Chemotherapie. Werden die regionale Hyperthermie und Chemotherapie kombiniert, so ist das Risiko deutlich geringer, dass der Tumor frühzeitig unkontrolliert weiter wächst, wie diese Studie zeigte. Gleichzeitig war die Chance, dass sich der Tumor verkleinert deutlich größer.

Prof. Dr. Issels gilt mit seinen Arbeiten zum Nutzen der regionalen Hyperthermie für die Krebstherapie als einer der Pioniere auf diesem Gebiet. Diese Studie stellt auch ein hervorragendes Beispiel für die Symbiose von biologischer Grundlagenforschung und klinischer Forschung dar und liefert einen weiteren Anstoß, diese Intervention auch bei anderen Tumorerkrankungen zu untersuchen und anzuwenden.

Höchste Auszeichnung der AIO

v.r.n.l.:  Prof. Seufferlein, Halle; PD Dr. Graeven, Mönchengladbach; Prof. Greten, München; Prof. Issels, München; Prof. Krämer, Heidelberg; Prof. Keilholz, Berlin; Prof. Hochhaus, Jena; Dr. Kalanovic (Pfizer), Berlin

v.r.n.l.: Prof. Seufferlein, Halle; PD Dr. Graeven, Mönchengladbach; Prof. Greten, München; Prof. Issels, München; Prof. Krämer, Heidelberg; Prof. Keilholz, Berlin; Prof. Hochhaus, Jena; Dr. Kalanovic (Pfizer), Berlin

Der Wissenschaftspreis der AIO wird jährlich einmal verliehen. Die höchste Auszeichnung der AIO geht zu gleichen Teilen an einen Autor oder eine Autorengruppe mit der besten Publikation zur Entstehung von Krebs und zu innovativen Entwicklungen in der Krebsbehandlung (präklinischer Teil) bzw. zur klinischen Krebsforschung (klinischer Teil). Der von der Firma Pfizer gestiftete Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Der Jury gehörten in diesem Jahr an
Priv.-Doz. Dr. Ullrich Graeven, St. Franziskus Krankenhaus Mönchengladbach
Prof. Andreas Hochhaus, Universitätsklinikum Jena
Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Charité Berlin
Prof. Roland M. Schmid, Universitätsklinikum r.d. Isar München
Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Universitätsklinikum Halle
Prof. Martin Schuler, Universitätsklinikum Essen
Dr. Daniel Kalanovic, als Vertreter des Sponsors der Fa. Pfizer