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AIO-Wissenschaftspreis 2011

Verleihung des AIO-Wissenschaftspreises 2011

Auf dem Herbstkongress der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) in Berlin wurde in feierlichem Rahmen der AIO-Wissenschaftspreis verliehen.

Aufgrund einer großen Anzahl hochrangiger Arbeiten, die für den Wissenschaftspreis eingereicht wurden und aufgrund der hohen Leistungsdichte, entschied das wissenschaftliche Kuratorium in diesem Jahr den translationalen Teil des AIO-Wissenschaftspreise zu vergeben an Herrn Priv.-Doz. Dr. Hana Algül vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Der Wissenschaftspreis für den klinischen Teil wurde in diesem Jahr Herrn Prof. Dr. Andreas Engert vom Universitätsklinikum Köln für die Deutsche Hodgkin-Studiengruppe zuerkannt. Insgesamt wurden in diesem Jahr 7 präklinische/translationale und 10 klinische Publikationen eingereicht. 

Höchste Auszeichnung der AIO

Der Wissenschaftspreis der AIO wird jährlich einmal verliehen. Die höchste Auszeichnung der AIO geht zu gleichen Teilen an einen Autor oder eine Autorengruppe mit der besten Publikation zur Entstehung von Krebs und zu innovativen Entwicklungen in der Krebsbehandlung (präklinischer Teil) bzw. zur klinischen Krebsforschung (klinischer Teil). Der von der Firma Pfizer gestiftete Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Der Jury gehörten in diesem Jahr an

für den klinischen Teil:
Priv.-Doz. Dr. Ullrich Graeven, St. Franziskus Krankenhaus Mönchengladbach
Prof. Andreas Hochhaus, Universitätsklinikum Jena
Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Charité Berlin
Prof. Roland M. Schmid, Universitätsklinikum r.d. Isar München

für den präklinischen Teil:
Priv.-Doz. Dr. Ullrich Graeven, St. Franziskus Krankenhaus Mönchengladbach
Prof. Dr. Thomas Seufferlein, Universitätsklinikum Halle
Prof. Dr. Martin Schuler, Universitätsklinikum Essen
Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Charité Berlin

AIO-Wissenschaftspreis 2011 Präklinischer/translationaler Teil:

Mit der wissenschaftlichen Arbeit „Stat3/Socs3 activation by IL-6 transsignaling promotes progression of pancreatic intraepithelial neoplasia and development of pancreatic cancer“, die im Journal Cancer Cell (Cancer Cell 19, 456–469, April 12, 2011) publiziert wurde, hatte sich Priv.-Doz. Dr. Hana Algül für den AIO-Wissenschaftspreis 2011 beworben. Seine Bewerbung wurde von allen Mitautoren ausdrücklich unterstützt.

Entwicklung neuer Therapiestrategien beim Pankreaskarzinom

Neben entzündlichen Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse gehört das Pankreaskarzinom zum Schwerpunkt seiner Forschungstätigkeiten. Ausgangspunkt für die nun publizierte Arbeit war die seit langem bestehende Erkenntnis zur Bedeutung des mutierten K-RAS in der pankreatischen Onkogenese. Diese Mutationen sind in 80-90 % der Pankreaskarzinome nachweisbar. Deren Bedeutung konnte mit Mausmodellen eindeutig unterlegt werden. Mutiertes Kras in pankreatischen Stammzellen führt zur Entwicklung pankreatischer intraepithelialer Neoplasien (PanINs) und zum Pankreaskarzinom. Wenngleich mutiertes Kras eine zentrale Rolle in der PanIN-Initiation spielt, blieben die Mechanismen der PanIN Progression zum Karzinom bisher unklar. Mit seiner Arbeit gelang zum einen erstmalig der Nachweis für eine wesentliche Bedeutung des „Tumormicroenvironments“ für die pankreatische Onkogenese. Insbesondere für sogenannte Tumor-assoziierte Makrophagen (TAM), die in der Nähe von präneoplastischen Läsionen akkumulieren, konnte er mit seinem Forscherteam zeigen, dass sie zur PanIN-Progression wesentlich beitragen. Zum zweiten wurde die IL-6/Stat3/Socs3 Kaskade als zentrale Achse in der Verbindung von TAM mit PanINs identifiziert. Die genetische Inaktivierung jeweils dieser Komponenten führte zu einer Blockade der PanIN-Progression und zur Reduktion der Tumorinzidenz. Weiterhin wurde erstmals mit dieser  Arbeit die in vivo Bedeutung des alternativen IL-6 Signalwegs, des IL-6 Transsignalings, für die Tumorentwicklung anhand des Pankreaskarzinoms belegt. Analysen an humanen Proben zeigten auch, dass diese IL-6/Stat3/Socs3 Achse zwischen TAM und PanIN auch beim Menschen möglicherweise besteht.

Die Vergabe des präklinischen/translationalen AIO-Wissenschaftspreises 2011 durch das wissenschaftliche Kuratorium erfolgte mit der Überzeugung, dass diese Arbeit eine begründete und aussichtsreiche Rationale für die Entwicklung neuer Therapiestrategien beim Pankreaskarzinom leistet. Die heute verfügbaren IL-6 Antikörper oder Stat3 Inhibitoren könnten daher relativ kurzfristig in kontrollierten Studien zur adjuvanten und palliativen Therapie des Pankreaskarzinoms eingesetzt und überprüft werden.

AIO-Wissenschaftspreis 2011 klinischer Teil

Mit der wissenschaftlichen Arbeit „Reduced Treatment Intensity in Patients with Early-Stage Hodgkin’s Lymphoma “, die im New England Journal of Medicine (N Engl J Med. 2010 Aug 12;363(7):640-52)  publiziert wurde, hatte sich Prof. Andreas Engert für den klinischen Teil des AIO-Wissenschaftspreis 2011 beworben. Seine Bewerbung wurde von allen Mitautoren ausdrücklich unterstützt.

Minimierung der Behandlungsintensität bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom im Frühstadium

Da große Unklarheiten bestanden, ob es möglich ist, die Behandlungsintensität bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom im Frühstadium (Stadien I oder II) mit dennoch guter Prognose zu reduzieren, wurde eine randomisierte Multicenter-Studie initiiert, in welcher vier Behandlungsgruppen, bestehend aus einem Kombinationschemotherapie-Protokoll zweier verschiedener Intensitäten, gefolgt von Involved-field Strahlentherapie mit zwei verschiedenen Dosisstufen miteinander verglichen wurden.

Es wurden 1.370 Patienten mit erstmals diagnostiziertem Hodgkin-Lmyphom im Frühstadium und günstiger Prognose nach dem Zufallsprinzip einer von vier Behandlungsgruppen zugeordnet: vier Zyklen von Doxorubicin, Bleomycin, Vinblastin, und Dacarbazin (ABVD), gefolgt von einer Strahlentherapie mit 30 Gy (Gruppe 1), vier Zyklen ABVD gefolgt von Strahlentherapie mit 20 Gy (Gruppe 2), zwei Zyklen ABVD gefolgt von Strahlentherapie mit 30 Gy (Gruppe 3), beziehungsweise zwei Zyklen ABVD gefolgt von Strahlentherapie mit 20 Gy (Gruppe 4). Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Versagen der Primärtherapie (FFTF, Freedom from Treatment Failure); sekundäre Endpunkte betrafen Wirksamkeit und Toxizität der Behandlung.

Im Ergebnis der Studie wurde kein signifikanter Unterschied zwischen den beiden Chemotherapieprotokollen in Bezug auf FFTF (P = 0,39) oder Gesamtüberleben (P = 0,61) festgestellt. Nach 5 Jahren betrugen die FFTF-Raten beim Vier-Zyklen-ABVD Protokoll 93,0% (95% Konfidenzintervall [CI], 90,5 bis 94,8) und 91,1% (95% CI, 88,3 bis 93,2) beim Zwei-Zyklen-Protokoll. Ebenfalls gab es keinen signifikanten Unterschied beim Vergleich der Wirkung der Strahlentherapie mit Dosen von 20 Gy und 30 Gy hinsichtlich FFTF (P = 1,00) oder Gesamtüberleben (P = 0,61). Unerwünschte Nebenwirkungen und akute toxische Wirkungen der Behandlung waren bei jenen Patienten am häufigsten, die vier Zyklen ABVD und Strahlentherapie mit 30 Gy erhalten hatten (Gruppe 1).

Fazit: Bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom im Frühstadium und günstiger Prognose ist eine Behandlung mit zwei Zyklen ABVD gefolgt von involved-field Strahlentherapie mit 20 Gy ebenso effizient und zugleich weniger toxisch als vier Zyklen ABVD gefolgt von involved-field Strahlentherapie mit 30 Gy. Auch wenn die Langzeitwirkungen dieser Behandlungen bislang nicht vollständig bewertet wurden, stellt dieses Forschungsergebnis eindrucksvoll dar, dass die Effizienz einer minimierten Behandlungsintensität beim Hodgkin-Lymphom genauso zu bewerten ist, wie die bisher angewandten Therapieoptionen.

Zusammengefasst führte dies zu der Entscheidung der Jury, den klinischen Teil des AIO-Wissenschaftspreises 2011 an Prof. Dr. Andreas Engert zu verleihen.