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AIO-Wissenschaftspreis 2016

Drei Wissenschaftler und Ärzte wurden mit dem höchsten Preis der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) der deutschen Krebsgesellschaft ausgezeichnet:
Dr. med. Wilfried Eberhardt , Prof. Dr.med. Jens Siveke beide tätig an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen (UDE) am Westdeutschen Tumorzentrum (WTZ) des Universitätsklinikums Essen (UK Essen) und Prof. Dr. med. Arndt Vogel tätig an der Medizinischen Hochschule Hannover erhielten den Preis für ihre wegweisenden Forschungsergebnisse beim Lungen-, Bauchspeicheldrüsen- und Leberkrebs.

Foto rechts: Copyright: Sven Hobbiesiefken
v.l.n.r. Prof. Vogel, Dr. Eberhardt, Prof. Siveke

Die eingereichten wissenschaftlichen Arbeiten sind in hochrangigen Journalen im Zeitraum 01.07.2015 bis 30.06.2016 zur Publikation angenommen oder erschienen. Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen des 13. AIO-Herbstkongresses am 18.11.2016 in Berlin.

Höchste Auszeichnung der AIO

Der Wissenschaftspreis der AIO wird einmal jährlich verliehen. Diese höchste Auszeichnung der AIO geht zu gleichen Teilen an einen Autor oder eine Autorengruppe mit der besten Publikation zur Entstehung von Krebs und zu innovativen Entwicklungen in der Krebsbehandlung (präklinischer Teil) bzw. zur klinischen Krebsforschung (klinischer Teil). Der Jury gehörten in diesem Jahr an

Prof. Dr. Ullrich Graeven, Kliniken Mariahilf Mönchengladbach
Prof. Dr. Rudolf M. Huber, Ludwig-Maximilians-Universität Klinikum München
Prof. Dr. Ulrich Keilholz, Charité Universitätsmedizin Berlin
Prof. Dr. Florian Lordick, Universitätsklinikum Leipzig
Prof. Dr. Helmut Oettle, Praxis für Innere Medizin Friedrichshafen

AIO-Wissenschaftspreis 2016: präklinischer/translationaler Teil

Gemeinsam entschied die Jury nach Abgabe des abschließenden und einstimmigen Votums den präklinischen/ translationalen Teil des AIO-Wissenschaftspreises in diesem Jahr in zwei Teilen zu vergeben.

Die wissenschaftliche Arbeit „Combined inhibition of BET family proteins and histone deacetylases as a potential epigenetics-based therapy for pancreatic ductal adenocarcinoma“, die in Nature medicine online am 21.09.2015 publiziert wurde und mit der sich Prof. Dr. med. Jens Siveke beworben hatte, wurde mit dem präklinischen translationalen Teil des AIO-Wissenschaftspreises geehrt. Seine Bewerbung wurde von allen Mitautoren ausdrücklich unterstützt.

Dem Forscher-Team unter Leitung von Professor Jens Siveke in Kollaboration mit einem Team der Stanford University unter Leitung von Professor Julien Sage ist es gelungen, eine neuartige epigenetische Behandlungsstrategie beim Pankreaskarzinom zu beschreiben. Epigenetische Mechanismen sind an der Regulation von Genen und zellulären Prozessen in Tumoren beteiligt, ohne dass das Erbgut (z.B. durch Mutationen) verändert wird. Mit Hilfe der Genschere CRISPR/CAS9 und bestimmten Hemmstoffen konnten die Wissenschaftler die Tumorzellen so umprogrammieren, dass sie für Therapeutika wieder angreifbar wurden. Aufgrund des starken anti-tumoralen Effektes einer Kombinationstherapie mit zwei epigenetisch wirksamen Medikamenten ist man zuversichtlich, einen erfolgversprechenden neuen Ansatz für die Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs gefunden zu haben.

Die wissenschaftlichen Arbeit “Dual role of the adaptive immune system in liver injury and hepatocellular carcinoma development ”, die am 16.06.2016 zur Publikation in Cancer-Cell angenommen wurde und am 08.08.2016 online erschienen war und für die sich Prof. Dr. med. Arndt Vogel beworben hatte, wurde ebenso mit dem AIO-Wissenschaftspreis  für den präklinischen/ translationalen ausgezeichnet.

Die von Prof. Vogel eingereichte wissenschaftliche Arbeit untersuchte mit Hilfe verschiedener genetischer Mausmodelle die Rolle des Immunsystems bei der HCC Entstehung. Verschiedene Trigger wie Viren, übermäßiger Alkoholgenuss oder eine Fettleber können chronische Entzündungsreaktionen in der Leber verursachen, die dann zu Leberzirrhose und Leberkrebs führen. In genetisch modifizierten Mausmodellen konnte gezeigt werden, dass das Immunsystem im Rahmen chronischer Lebererkrankungen eine duale Rolle sowohl für die Leberschädigung als auch für die Tumorentwicklung innehat.

Im Gegensatz zu immunkompetenten Mäusen mit einer chronischen Lebererkrankung wiesen immun-defiziente Mäuse eine deutlich erhöhte Mortalität, insbesondere in der Frühphase der Lebererkrankung, auf. Mit Hilfe verschiedener knockout Mäuse konnte gezeigt werden, dass CD8 T-Zellen des adaptiven Immunsystems dieses akute chronische Leberversagen verhindern. Im Langzeitverlauf waren entsprechend bei immun-supprimierten Mäusen deutlich seltener Lebertumoren nachzuweisen. Diese Daten zeigen somit, dass eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Zellpopulationen des adaptiven Immunsystems nicht nur bei der Behandlung von Tumoren sondern auch zu den verschiedenen Zeitpunkten während der Tumorentstehung und -progression notwendig ist: während die anti-tumorale
Bedeutung des adaptiven Immunsystems in späteren Krankheitsstadien und in der Therapie maligner Erkrankungen gut dokumentiert ist, können diese Zellen initial auch zur Tumorentstehung beitragen. In weiteren pharmakologischen Ansätzen konnte gezeigt werden, dass insbesondere der Lymphotoxin-β Signalweg, der in vielen autoimmunen und chronischen Erkrankungen aktiviert ist, wesentlich zur Leberkrebsentstehung beiträgt.
Eine gezielte chemo-präventive Therapie, mit der das Immunsystem engmaschig reguliert wurde, wäre ein vielversprechender Ansatz, um Patienten mit chronischer Lebererkrankung vor Krebs zu bewahren und gleichzeitig den Schutz durch das Immunsystem zu gewährleisten.

AIO-Wissenschaftspreis 2016: klinischer Teil

Die wissenschaftliche Arbeit „Phase III Study of Surgery Versus Definitive Concurrent Chemoradiotherapy Boost in Patients With Resectable Stage IIIA(N2) and Selected IIIB Non–Small-Cell Lung Cancer After Induction Chemotherapy and Concurrent Chemoradiotherapy (ESPATUE)“, mit der sich Dr. med. Wilfried Eberhardt beworben hatte und die im Journal Clinical Oncology 2015 33:4194-4201 publiziert wurde, wurde mit dem klinischen Teil des AIO-Wissenschaftspreises 2016 ausgezeichnet.

Die Arbeit beschreibt die abschließenden Langzeitergebnisse einer großen randomisierten Phase-III Studie die in der AIO-Arbeitsgruppe Thorakale Onkologie in den letzten Jahren durchgeführt worden ist. Die Studie ist als interdisziplinäre Studie gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Radiologische Onkologie (ARO) der Deutschen Krebsgesellschaft e.V. angelegt gewesen und mit einer Förderung durch die Deutsche Krebshilfe komplett über den Rekrutierungszeitraum unterstützt worden..
Die Ergebnisse dieser Studie sind im Kontext mit einem in Essen in Zusammenarbeit mit anderen Zentren über mehr als 20 Jahre innovativ entwickelten multimodalen Therapiekonzept zu sehen, das über mehrere sequentielle Pilot-Phase-II Studien und Untersuchungen (2-8) bis hin zur letzten pivotalen Phase-II Studie (9) konsequent weiterentwickelt worden ist. Die Ergebnisse der pivotalen Phase-II Studie (9) haben dann zu der jetzt mit finalen Ergebnissen publizierten Phase-III Studie geführt, die der Frage nachgehen sollte, welche definitive Lokaltherapie im Rahmen des multimodalen Therapiekonzeptes von Patienten mit prinzipiell operablem Stadium III die günstigsten Langzeitergebnisse erbringt. Es konnte anhand von 246 eingeschlossenen Patienten gezeigt werden, das sowohl bei der definitiven Operation nach Induktionschemotherapie und simultaner Chemoradiotherapie, als auch bei einem definitiven Radiochemotherapie-Boost nach Induktion in beiden Randomisationsarmen exzellente Langzeitergebnisse mit 44% bzw. 40% Langzeitüberlebenden nach fünf Jahren erzielt werden konnten. Als Konsequenz müssen deshalb beide Therapieoptionen in Zukunft mit den Patienten bei der Festlegung des Therapiekonzeptes transparent diskutiert werden. Die Arbeit berichtet damit in einem großen Behandlungskollektiv von Patienten im prinzipiell operablen Stadium III (IIIA(N2) und selektive Patienten mit IIIB) Daten, die zu den aktuell günstigsten Langzeitergebnissen weltweit zählen. Sie ist damit neben der Nordamerikanischen Intergroup-Studie  eine der richtungsweisenden Phase-III Studien in diesem Setting geworden.