Arbeitsgruppe Hepatobiliäre Tumoren - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2016

Die Arbeitsgruppe wird vertreten durch Internisten, Chirurgen und Radiologien die sich auf die Therapie der hepatobiliären Tumore spezialisiert haben. Wissenschaftliche Schwerpunkte der laufenden und geplanten Studien sind sowohl die Integration neuer molekularer Substanzen einschließlich translationaler Analysen zur Identifizierung prädiktiver Marker als auch Konzepte zur adjuvanten Therapie.

In der Soramic Studie wird zum einen geprüft, in wieweit sich eine kontrastmittelverstärkte MRT-Untersuchung im Vergleich zur kontrastmittelverstärkten Computertomographie zur Differenzierung der Krankheitsstadien eignet. In dem therapeutischen Teil der Studie werden Patienten im frühen Krankheitsstadium mittels der etablierten Radiofrequenzablation plus Sorafenib behandelt. Die Patienten mit fortgeschrittenem Leberzellkarzinom erhalten dagegen eine SIRT-Behandlung in Kombination mit Sorafenib oder Sorafenib allein. Die Studie hat die Rekrutierung im März 2016 erfolgreich für den palliativen Arm und die Diagnostikstudie abgeschlossen. Die Rekrutierung der Studie im Ablativen Arm (Sorafenib gegen Placebo in der Adjuvanz nach Ablation) läuft in einigen selektierten Zentren weiter. Die Ergebnisse des palliativen Arms und der Diagnostikstudie werde Mitte nächsten Jahres erwartet.

Die SILVER Studie wurde dieses Jahr als Vollpublikation veröffentlicht. Die Studie hat untersucht, ob eine mTOR-Inhibitor basierte Immunsuppression im Gegensatz zu Calcineurin-Inhibitoren nach Lebertransplantation das Rezidiv-freie Überleben nach Lebertransplantation bei HCC Patienten verlängert. In der Gesamtpupulation konnte dabei kein Vorteil für den mTOR Inhibitor gezeigt werden. Allerdings zeigte sich in der sogenannten „low risk“ Grupper – Patienten innerhalb der Milan Kriterien entsprechend den in Deuschland transplantierten Patienten – ein Trend für ein verbessertes Rekurren-freies und Gesamtüberleben. Diese Ergebnisse sollten in die individuelle Therapieentscheidung bei transplantierten HCC Patienten beachtet werden.

CCA

2015 wurde die Rekrutierung der von der Deutschen Krebshilfe geförderten, internationalen ACTICCA-Studie begonnen. In dieser Studie wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Chirurgie der Stellenwert einer adjuvanten Chemotherapie mit Gemcitabin und Cisplatin nach Resektion von cholangiozelluären Karzinomen untersucht. Die Studie konnte im Laufe des 2. Halbjahres 2016 eine stabile Rekrutierung von 10 Patienten/Monat erreichen, maßgeblich gestützt von den aktiven 19 Zentren in Deutschland (mit Stand 7.10.2016 108 Patienten) und der internationalen Erweiterung der Studie mit 4 Zentren in den Niederlanden (19 Patienten), den beiden Zentren in Dänemark (3 Patienten) und den neu dazugekommenen, aktuell 10 Zentren in Großbritannien (bereits 4 Patienten). Darüber hinaus konnten 4 Zentren in Australien eröffnet werden und in Österreich liegt mittlerweile ein positives Ethikvotum vor. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt erfreulicherweise die Internationalsierung der Studie mit einer Zusatzförderung. Interessant werden die weiteren Entwicklungen im nächsten Jahr unter Einbeziehung der Daten der ACCORD 18/PRODIGE 12 (ASCO GI) und BILCAP (ASCO). 

In der Erstlinie können Patienten mit Klatzkin Tumoren in die internationale OPUS Studie eingeschlossen werden, in den die Wirksamkeit eine lokalen Photodynamischen Therapie in Kombination mit einer systemischen Chemotherapie mit Gemcitabin/ Cisplatin untersucht wird. Auch auf Grund der Ein- und Auschlusskriterien konnte allerdings bislang kein Patient in diese Studie in Deutschland eingeschlossen werden. Dies entspricht den Erfahrungen vieler Zentren, die dieses Therapieverfahren aktuell nur noch sehr selten einsetzen.

In der Zweitlinie können aktuell Patienten in die AIO-assoziierte PIITCAP Studie eingeschlossen werden. In diese Phase-II Studie werden Therapie-refraktäre Patienten mit Gallengangskarzinomen rekrutiert und mit dem Chemotherapeutikum CAP71 behandelt. CAP7.1 ist eine inaktive Vorstufe des Chemotherapeutikums Etoposid, welches durch eine Carboxylesterase präferentiell in Tumorzellen aktiviert wird. Die 1. Stufe des Studienarmes für Gallengangskarzinome ist erfolgreich abgeschlossen. Die Ergebnisse der interim Analyse, wie im Studienprotokoll vorgesehen, wurden mit der Behörde diskutiert. Die Änderungswünsche der Behörde bezüglich Studienprotokoll werden zur Zeit implementiert, um die Phase III Studie vorzubereiten. Daher werden aktuell keine Patienten aufgenommen. Nach Anpassung des Studienprotokolls und Abstimmung mit der Behörde, wird die Phase III Studie für die Indikation Gallengangskarzinome initiiert.

Zudem konnten beim CCA zwei Studie mit nanoliposomalen-Irinotecan in Kombination mit 5-FU/Leucovorin auf den Weg gebracht werden. In der randomisierte, multizenter Phase II NIFE Studie wird der Stellenwert von Naliri /5-FU/Leucovorin gegenüber dem Standard Cisplatin/Gemcitabin in der Erstlinien-Therapie des inoperablen Gallengangskarzinoms untersucht. In der Studienpopulation sind insgesamt 92 Patienten geplant, 1:1 auf beide Therapiearme verteilt. Der primäre Endpunkt der Studie ist das Progressions-freie Überleben nach 4 Monaten. Es gibt ein obligatorisches translationales Begleitprojekt. In der NALIRICC Studie wird anlog die Wirksamkeit der Kombination im Vergleich zu 5-Fu in der Zweitlinie evaluiert mit insgesamt 100 Patienten, die 1:1 auf beide Therapiearme verteilt werden. Primärer Endpunkt ist auf Grund des zu erwartenden Cross-over der Patienten im Kontrollarm zu Irinotecan ebenfalls das PFS.

In einem ähnlichen Design wird in der kleineren IRIBIL Studie, die Wirksamkeit und Sicherheit einer Chemotherapie mit 5-FU, Folinsäure und Irinotecan (FOLFIRI) im Vergleich zur Chemotherapie mit 5-FU und Folinsäure in der Zweitlinie untersucht.

Die endgültige Auswertung der CISCA-Studie ist weiterhin nicht abgeschlossen. In diese Studie wurden über 100 Patienten, die Cisplatin ± Capecitabin erhielten, rekrutiert.

Publikation

Geissler EK, Schnitzbauer AA, Zülke C, Lamby PE, Proneth A, Duvoux C, Burra P, Jauch KW, Rentsch M, Ganten TM, Schmidt J, Settmacher U, Heise M, Rossi G, Cillo U, Kneteman N, Adam R, van Hoek B, Bachellier P, Wolf P, Rostaing L, Bechstein WO, Rizell M, Powell J, Hidalgo E, Gugenheim J, Wolters H, Brockmann J, Roy A, Mutzbauer I, Schlitt A, Beckebaum S, Graeb C, Nadalin S, Valente U, Turrión VS, Jamieson N, Scholz T, Colledan M, Fändrich F, Becker T, Söderdahl G, Chazouillères O, Mäkisalo H, Pageaux GP, Steininger R, Soliman T, de Jong KP, Pirenne J, Margreiter R, Pratschke J, Pinna AD, Hauss J, Schreiber S, Strasser S, Klempnauer J, Troisi RI, Bhoori S, Lerut J, Bilbao I, Klein CG, Königsrainer A, Mirza DF, Otto G, Mazzaferro V, Neuhaus P, Schlitt HJ. Sirolimus Use in Liver Transplant Recipients With Hepatocellular Carcinoma: A Randomized, Multicenter, Open-Label Phase 3 Trial. Transplantation. 2016 Jan; 100(1):116-25.