Arbeitsgruppe Kolon-/Rektum-/Dünndarmtumoren - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2007

Kolorektale Karzinome gehören zu den häufigsten Tumorerkrankungen – und auch die AIO-Arbeitsgruppe „Kolon-/Rektum-/Dünndarmkarzinom“ ist, sowohl was Mitgliederzahlen angeht wie auch in der Anzahl der wissenschaftlichen Projekte, eine der aktivsten: Mehr als 500 AIO-Mitglieder sind für die Entität „Kolorektales Karzinom“ als interessiert registriert.

Der wissenschaftliche Schwerpunkt der Gruppe gliedert sich in zwei Bereiche: beim metastasierten kolorektalen Karzinom liegt der Schwerpunkt in der Entwicklung und Durchführung von eigenen Phase-I/II- und III-Protokollen. Im vergangenen Jahr konnten die endgültigen Ergebnisse der randomisierten Studie Capecitabin/Oxaliplatin versus 5-FU/Oxaliplatin vorgestellt werden, die nun beim J Clin Oncol eingereicht sind. Unsere Gruppe lieferte als weltweit erste Gruppe hier den Anhalt dafür, dass Capecitabin und 5-FU in Kombination mit Oxaliplatin eine vergleichbare Aktivität zeigen.

Zwei große weitere randomisierte Phase-II-Studien, die Cetuximab bzw. Bevacizumab in Kombination mit den „backbones“ Capecitabin/Oxaliplatin oder Capecitabin/Irinotecan randomisiert geprüft haben, haben die Rekrutierung beendet – mit insgesamt mehr als 450 eingeschlossenen Patienten, die innerhalb von 15 Monaten eingeschlossen wurden. Dies drückt die momentane Stärke der Gruppe gut aus, zuletzt konnten monatlich mehr als 45 Patienten in diesen beiden Protokollen randomisiert werden. Darüber hinaus sind weitere Protokolle aktiviert, zumeist mit Fragestellung der Kombination von Antikörpern („Doppeltargeting“) mit Chemotherapie.

Ein weiteres Projekt ist die Etablierung der Metastasenresektion als wichtigen Endpunkt, hier sollen neue Strukturen in Kooperation mit der chirurgischen „Arbeitsgruppe Lebermetastasen (ALM)“ geschaffen werden.

Der zweite Schwerpunkt der Gruppe ist die Teilnahme an kooperativen Studien zur perioperativen (neoadjuvanten und adjuvanten) Therapie des kolorektalen Karzinoms: hier stehen insbesondere die Teilnahme an der PETACC-8-Studie der EORTC (adjuvantes Kolonkarzinom, Stadium 3: FOLFOX +/- Cetuximab) sowie der Studienkonzepte zum Rektumkarzinom im Vordergrund. Für die PETACC-6-Studie, die die Intensivierung der präoperativen Strahlen-/Chemotherapie plus der adjuvanten Systemtherapie (jeweils Capecitabin oder Capecitabin/Oxaliplatin) prüft, ist die AIO sogar die „leading group“ dieser wichtigen europäischen Studie, die über die EORTC und die AIO-Studienzentrale sowie das Mannheimer Studienbüro durchgeführt wird.

Neben der Planung und Durchführung der Studien nach den Erfordernisssen für möglichst für jeden Interessenten (z.B. unterschiedliche Fragestellungen für Hochschulkliniken und NIOs) besteht ein weiteres Aufgabengebiet in der Konzeption und Gestaltung zentraler Forschungsstrukturen: So laufen die Daten aller Patienten mit kolorektalem Karzinom in einer zentralen Datenbank zusammen, wo perspektivisch „Querverbindungen“ und -auswertungen gezogen werden können.

Wichtig für translationale Forschungsprojekte ist die Etablierung einer Tumorbank, die gegenwärtig, teils als virtuelle, teils als reelle Tumorbank, für alle in AIO-Konzepten behandelten Patienten eingerichtet ist. In der engen Kooperation mit der AG „Translationale Forschung“ und der zentralen Datenbank können so molekulare Faktoren hinsichtlich ihrer Wertigkeit als prognostische oder prädiktive Parameter identifiziert und somit in der translationalen Forschung wichtige Fragestellungen gelöst werden.