Arbeitsgruppe Neuroendokrine Tumoren/Karzinoide - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2010

In Marburg wurde unter Leitung von Fr. Dr. Rinke und Prof. R. Arnold eine Nachuntersuchung der Patienten aus der PROMID-Studie (Placebokontrollierte prospektive randomisierte Studie zur antiproliferativen Wirksamkeit von Octreotid bei Patienten mit metastasierten neuroendokrinen Tumoren des Midgut) initiiert. Es werden klinische und radiologische Daten weiterhin gesammelt, um zusätzliche Informationen zur Behandlung der Patienten im Placeboarm und zu Anschlussbehandlungen der Patienten im Verumarm nach Versagen der Octreotidtherapie zu erhalten. Ebenso werden die Überlebensdaten erfasst.

Die internationale placebo-kontrollierte Studie mit Einsatz des Somatostatinabkömmlings
Lanreotid ist weiterhin aktiv und rekrutiert Patienten mit nicht-funktionellem entero-pankreatischen
endokrinen Tumoren bis voraussichtlich Dezember 2010. International wurden bereits 245 Patienten gescreent und 171 Patienten randomisiert. Studienziel ist es, 200 Patienten einzuschließen. Die Rekrutierung wird Ende des Jahres beendet sein.

Eine Studie zum komparativen Einsatz von Chemotherapie (STZ-basiert versus Temozolomid-basiert) konnte bisher wegen mangelnder Förderung nicht umgesetzt werden.

Es wurden zwei internationale placebokontrollierte Phase III- Studien mit Everolimus (RADIANT-2 und RADIANT-3) beendet und die Ergebnisse erstmals auf dem WCGIC (RADIANT-3) und dem ESMO (RADIANT-2 und-3) in diesem Jahr vorgestellt. Die Effektivität von Everolimus wurde bei pankreatischen Tumoren belegt mit signifikanter Verlängerung des progressionsfreien Überlebens. Die Ergebnisse der RADIANT-2 waren im lokalen und zentralen Reading different, weitere Subanalysen stehen aus.

Für die Sutent Studie versus Placebo bei progredienten pankreatischen NET wurde retrospektiv eine radiologische Nachuntersuchung eingeleitet, die die Ergebnisse der bisherigen Analyse bestätigte (ESMO 2010) mit signifikanter Verlängerung des progressionsfreien Überlebens.

Die Rekrutierung der RAMSETE-Studie (europaweite Studie zum Einsatz von Everolimus bei non-funktionellen NET unterschiedlichen Ursprungs - Ausnahme Pankreas NET- offene einarmige Studie, Studienleitung Charité CVK Berlin und Univ. Uppsala) wurde ebenso beendet. Eine Datenanalyse ist ausstehend.

In der Behandlung des therapierefraktären Karzinoid-Syndroms steht unverändert die Pasireotid vs. Octreotid Studie zur Verfügung. Diese rekrutierte bisher schlecht, da selten das Kriterium einer ausgeprägten kombinierten Symptomatik (Flush + Diarrhoe) erfüllt ist. Ein Amendment zur Studie, welches den Einschluss von Patienten mit auch nur einem der beiden führenden Symptome, liegt inzwischen vor.

Weitere Studien wurden in Deutschland initiiert: der Einsatz von Dopastatin in der Ersttherapie des Karzinoid-Syndroms; es handelt sich um eine europaweite Studie. In Deutschland wurde eine Studie mit dem Serotoninsyntheseinhibitor LX1606 beim Karzinoid-Syndrom (Ersttherapie oder add-on zu SSA) ebenso in mehreren Zentren gestartet.

Zur Evaluierung prädiktiver Marker einer Tumorresponse bei Einsatz molekular-zielgerichteter Therapien wurde im Oktober 2010 eine Phase I Studie am Zentrum in Berlin gestartet mit sequentiellem Einsatz von Pasireotid und Everolimus.

Schließlich fand vom 3.-5. Nov. 2010 ein ENETS Advisory Board Meeting statt mit dem Ziel, die Leitlinien neu aufzulegen. Zahlreiche Experten aus Deutschland (u.a. Marburg, München, Düsseldorf, Bad Berka und Berlin) haben daran teilgenommen.