Arbeitsgruppe Hodentumoren - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2011

Die German Testicular Cancer Study Group (GTCSG) besteht mehrheitlich aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO, Urologische Onkologie (AUO) und Radioonkologie (ARO), die ihren klinischen und/oder wissenschaftlichen Schwerpunkt im Bereich der Hodentumoren haben. In der Gruppe sind zudem Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz vertreten, so dass es sich um eine internationale, deutschsprachige Arbeitsgruppe handelt.
Im vergangenen Jahr hat sich die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Hodentumoren zweimalig, nämlich am 30.11.2010 und am 03.05.2011 getroffen. Zunächst zu Projekten, die erfolgreich durchgeführt wurden:
Für Patienten im fortgeschrittenen Stadium ("poor prognosis" nach der IGCCG Klassifikation) wurde die Rekrutierung der Studie "High-dose PEI plus / minus Aranesp" (> 100 Patienten) Ende 2009 abgeschlossen. Eine abschließende Auswertung liegt derzeit noch nicht vor. Bis zur möglichen Eröffnung weiterer Studien ist ein Register für weit fortgeschrittene Hodentumoren offen, um die aktuelle Behandlungsrealität in Deutschland zu erfassen (Kontakt: c.bokemeyer@uke.uni-hamburg.de oder k.oechsle@uke.de). Eine Teilnahme an einer möglicherweise internationalen Studie für diese Indikation wird von der Gruppe weiterhin angestrebt, ist aber aufgrund logistischer Hürden und Regularien derzeit schwer zu realisieren. Ein großes internationales Erfassungsprojekt zur Analyse von Prognosefaktoren bei Patienten mit erstem Rezidiv nach cisplatin-haltiger Primärtherapie mit nahezu 1600 auswertbaren Patienten ist abgeschlossen.

Die Daten dieser Auswertung wurden beim ASCO-Kongress 2009, 2010 und 2011 vorgestellt, Vollpublikationen sind im Oktober 2010 und Juni 2011 in J Clin Oncol erschienen. Die in 2010 auf dem ASCO vorgestellt und 2011 vollpublizierte Analyse zeigt retrospektiv für nahezu alle Risikogruppen im Rezidiv eine Überlegenheit einer Hochdosistherapie gegenüber einer konventionell dosierten Therapie. Zudem zeigte sich eine statistische Überlegenheit einer sequentiellen versus einer einfachen Hochdosistherapie. Die Daten dieser Auswertung wurden inzwischen international intensiv diskutiert und es ist eine internationale, randomisierte Phase III Studie zur Beantwortung der Frage des Stellenwerts einer Hochdosistherapie in Vorbereitung, die jedoch ebenfalls erhebliche logistische Hürden aufweist und deshalb sicher nicht vor 2012 starten wird. Für die Patientengruppe der Rezidivpatienten existierte bis vor kurzem ein Registerprojekt, um die Behandlungsrealität in Deutschland zu erfassen, bis ein solches internationales Studienkonzept vorliegt. Derzeit sind 217 Patienten eingeschlossen, eine Auswertung wird derzeit vorgenommen (Kontakt: c.bokemeyer@uke.uni-hamburg.de, k.oechsle@uke.uni-hamburg.de).

 Auf dem ASCO 2011 wurden zwei Analysen vorgestellt, die unter maßgeblicher Beteiligung der Arbeitsgruppe erstellt wurden. Zum einen wurde das LZ-Follow up der randomisierten Phase II Studie zu singulärer versus sequentieller Hochdosistherapie gezeigt, wobei das Überleben nach sequentieller Hochdosistherapie besser war. Zudem wurde die internationale, leider aufgrund von Rekrutierungsproblemen vorzeitig beendete Phase III Studie der EORTC (mit Beteiligung der GTCSG, MRC, Spanisch GCC) vorgestellt. Hier zeigte sich für Patienten mit intermediärer Prognose unter Tax-BEP versus BEP bei höherer Akuttoxizität eine höhere Ansprechrate und ein besseres progressionsfreies Überleben bei allerdings vergleichbarem Gesamtüberleben für die Vierfach-Kombination.

Eine internationale Studie, die in Kooperation mit der kanadischen Hodentumorgruppe durchgeführt wurde, hat den Einsatz von Sunitinib an 34 Patienten mit cisplatin-refraktären Tumoren untersucht. Mit einer Ansprechrate von 13% (PR) und einem medianen progressionsfreien Überleben von 2 Monaten war die Substanz nur begrenzt aktiv. Die Ergebnisse wurden auf dem ASCO 2010 von C. Kollmannsberger vorgestellt, die Vollpublikation ist im März 2011 in Annals of Oncology erschienen. Als Nachfolgeprojekt wird aktuell eine Studie zum Einsatz von Everolimus durchgeführt, seit Dezember 2010 sind 8 Patienten eingeschlossen worden (fenner.martin@mh-hannover.de).

Nachsorge-Konzept: Nach ausführlicher interner Diskussion hat die Gesamtgruppe der GTCSG ein Konzept zur strukturierten Nachsorge erarbeitet. Ziel ist es, bei Beibehaltung der Patientensicherheit eine risikoadaptierte Nachsorgestrategie zu verfolgen, was insbesondere den Einsatz von Schnittbildgebung reduzieren soll. Ein entsprechendes standardisiertes Vorgehen wurde erarbeitet und ist in verschiedenen Zeitschriften wortgleich publiziert worden, um eine große Leserschaft zu erreichen (u.a. in Onkologie Januar 2011, Strahlentherapie und Onkologie März 2011, Urologe A Juli 2011). Eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der Ergebnisse dieser standardisierten Nachsorge auf der Basis einer multizentrischen Datenerfassung ist geplant (Kontakt: maria.desantis@wienkav.at).

Eine Auswertung der Langzeitergebnisse zweier Studien der GTCSG, einmal zum Einsatz von Gemcitabin in Kombination mit Oxaliplatin bei refraktären und multipel relabierten Keimzelltumorpatienten (Kollmannsberger et al, 2004), sowie die Dreifachkombination mit Gemcitabin, Oxaliplatin und Paclitaxel in gleicher Indikation (Bokemeyer et al, 2008) wurde kürzlich in Eur Urol von Oechsle et al publiziert. Hierbei zeigte sich, dass insbesondere nach Einsatz der Dreifachkombination und anschliessender radikaler Resektion von Restmanifestationen bei ca. 10-15% dieser Patienten auch nach Versagen einer Hochdosistherapie eine mittel- bis langfristige Remission erzielt werden kann.

Vom 10.-12.11.2011 wurde unter Federführung der GTCSG die Dritte Europäische Konsensuskonferenz unter Beteiligung von nahezu 70 internationalen, meist europäischen Experten aus verschiedenen Fachdisziplinien in Berlin abgehalten. Ziel war die Aktualisierung der Behandlungsempfehlungen der europäischen Expertenkommission. Die Ergebnisse der Konferenz werden derzeit für eine Publikation als Empfehlungen zu Diagnostik und Therapie bei Keimzelltumoren („Dritter Europäischer Konsens“) als Nachfolgepublikation zum 2. Europäischen Konsens (Krege et al, 2008) aufbereitet. Aktive Projekte Nichtseminom Stadium I: Vergleich von einem versus zwei Zyklen PEB bei Patienten mit vaskulärer Invasion im Stadium I des Nicht-Seminoms (Kontakt: peter.albers@med.uni-duesseldorf.de). Cisplatin-refraktäre Tumoren: In einer klinischen Studie der Phase II wird derzeit der Einsatz von Everolimus bei Patienten mit cisplatin-refraktären Tumoren untersucht (Kontakt: fenner.martin@mh-hannover.de).

Registerstudien
- Erfassung Leydig-Zell-Tumoren (Kontakt: sabine.kliesch@ukmuenster.de)
- Organerhaltende Tumorresektion (Kontakt: aheidenreich@ukaachen.de)
- ZNS Metastasen (Kontakt: j.hartmann@med2.uni-kiel.de)
- Patienten mit IGCCCG "Poor risk" (Kontakt: c.bokemeyer@uke.de)

Derzeit sind in Planung/Vorbereitung: Therapiestudie Seminom Stadium IIA/B: Das Konzept sieht eine Therapie mit einem Zyklus Carboplatin in einer Dosierung von AUC 7 vor, gefolgt von einer Bestrahlung der initialen Tumormanifestation im Sinne eines "involved node". Hierdurch wird eine erhebliche Reduktion des Strahlenfelds erwartet, bei hoffentlich niedrigen Rezidivraten. Es wird eine ehrgeizige Rekrutierung von 110 Patienten angestrebt. Therapiestudie Vergleich konventionelle versus Hochdosistherapie im Rezidiv, internationale, randomisierte Phase III Studie („TIGER-Trial“).
Die Arbeitsgruppe betreibt eine eigene Homepage mit Darstellung der Kontakte, Aktivitäten und aktuellen Dokumenten: www.hodenkrebs.de .


Publikationen
Von November 2010 bis Oktober 2011 sind unter Mitwirkung mindestens eines Mitglieds der internistischen Gruppe der GTCSG folgende Publikationen erschienen:
Albers P et al, EAU guidelines on testicular cancer: 2011 update. Eur Urol. 2011;60(2):304-19

Daugaard G et al, A randomized phase III study comparing standard dose BEP with sequential high-dose cisplatin, etoposide, and ifosfamide (VIP) plus stem-cell support in males with poor-prognosis germ-cell cancer. An intergroup study of EORTC, GTCSG, and Grupo Germinal (EORTC 30974). Ann Oncol. 2011;22(5):1054-61

Hartmann M et al, Follow-up of testicular germ cell cancer patients: interdisciplinary evidence-based recommendations. Urologe A. 2011;50(7):830-5.

Honecker F et al, A multi-disciplinary approach to the treatment of germ cell tumors. Internist (Berl). 2010;51(11):1382-7.

Koychev D et al, Treatment of patients with relapsed and/or cisplatin-refractory metastatic germ cell tumours: an update. Int J Androl. 2011;34(4 Pt 2):e266-73.

Lorch A et al, Conventional-Dose Versus High-Dose Chemotherapy As First Salvage Treatment in Male Patients With Metastatic Germ Cell Tumors: Evidence From a Large International Database. J Clin Oncol 2011;29:2178-2184.

Lorch A et al, Prognostic factors in patients with metastatic germ cell tumors who experienced treatment failure with cisplatin-based first-line chemotherapy. J Clin Oncol 2010;28:4906-4911.

Lorch A et al, High Dose Chemotherapy as Salvage Treatment for Unresectable Late Relapse Germ Cell Tumors. J Urol 2010;184:168-173

Lorch A et al, High-dose chemotherapy (HDCT) as second-salvage treatment in patients with multiple relapsed or refractory germ-cell tumors. Ann Oncol. 2010;21:820-825.

Mayer F et al, Histopathological and molecular features of late relapses in non-seminomas. BJU Int. 2011;107(6):936-43.

Oechsle K et al, Preclinical and clinical activity of sunitinib in patients with cisplatin-refractory or multiply relapsed germ cell tumors: a Canadian Urologic Oncology Group/German Testicular Cancer Study Group cooperative study. Ann Oncol. 2011 Mar 17. [Epub ahead of print]

Oechsle K et al, Treatment of brain metastases from germ cell tumors. Hematol Oncol Clin North Am. 2011;25(3):605-13.

Oechsle K et al, Long-term survival after treatment with gemcitabine and oxaliplatin with and without paclitaxel plus secondary surgery in patients with cisplatin-refractory and/or multiply relapsed germ cell tumours. Eur Urol. 2011;60(4):850-5.

Port M et al, Micro-RNA expression in cisplatin resistant germ cell tumor cell lines. Mol Cancer. 2011;10:52.

Souchon R et al, Interdisciplinary evidence-based recommendations for the follow-up of early

Dieser Artikel ist wortgleich erschienen unter: Cathomas R et al, Onkologie. 2011;34(1-2):59-64.