Arbeitsgruppe Kommunikation - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2011

Die Arbeitsgruppe Kommunikation mit Unterstützung der AIO befasste sich im Berichtszeitraum mit der Erstellung eines Ausbildungs-Curriculums (FIT FOR ONCOLOGY) für onkologisch tätige Ärzte unter der Leitung von Dr. Jens Panse, Dr Andrea Petermann-Meyer, PD Dr. Jens Ulrich Rüffer.

Ziel dieses umfassenden Curriculums ist eine an realen (Berufs-)Bedingungen orientierte Aus- und Fortbildung onkologischer Ärzte in emotional-kognitiver, organisatorischer und kommunikativer Hinsicht, um Patienten und Angehörigen einen emotional wertschätzenden Umgang und eine psycho-sozial ausgerichtete und damit letztlich optimierte onkologische Versorgung anbieten zu können.
Durch konsequente Anleitung der Curriculumsteilnehmer zur Selbstreflexion sowie der Nutzung von Gruppen als lernendes Team wird eine Entwicklung angestoßen, die Teilnehmern die Übertragung und Weitervermittlung erlernter Fähigkeiten im Arbeitsalltag und damit eine Multiplikation der Curriculumsinhalte ermöglicht.

Damit soll eine Einstellungs- und Verhaltensänderung bewirkt werden, deren positiver Effekt für Patienten und Angehörige zu einer Verminderung von psycho-sozialem Distress führen kann. Damit würde langfristig eine präventive psycho-onkologische und damit eine wirklich umfassende („comprehensive“) Krebsversorgung ermöglicht. Der Wissenszuwachs im Hinblick auf Entstehung, Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen in den letzten Jahren hat zu teilweise dramatisch verbesserten Behandlungsergebnissen geführt; diese Errungenschaften haben jedoch ihren Preis: Die exakte Diagnostik und Therapie von Krebserkrankungen erfordert heutzutage ein Höchstmaß an Spezialisierung und inter- bzw. multidisziplinärer Vernetzung. War früher oft ein Arzt oder eine Klinik bzw. Abteilung mit der Behandlung von Krebserkrankten beauftragt, sind heute eine immer größer werdende Anzahl von Fachleuten und –Abteilungen in zahlreichen Versorgungsstrukturen in Diagnose- und Behandlungsabläufe eingebunden. Die Trias „Stahl, Strahl, Chemotherapie“ ist längst um Begriffe wie Immuntherapie, Nuklearmedizin, Molekularpathologie, Supportivtherapie, molekulare Bildgebung und andere erweitert worden. Neue Therapien bringen große Chancen aber auch neue Nebenwirkungen, die Interaktion von Medikamenten wird immer schwieriger durchschaubar und die Krankheits-Chronifizierung bedingt unvorhergesehene Lebens- oder besser „Krankheitsumstände“.

Im Laufe einer Krebserkrankung sind Patienten und Angehörige somit mit einer Vielzahl von Ärzten, Spezialisten, Untersuchungen und Therapieformen konfrontiert und durch den raschen Wechsel der Bezugspersonen und die notwendige Neuorientierung nicht selten überfordert. Das gleiche gilt für ihre Angehörigen und wird durch den freien Zugang zu ungefilterten und nicht selten falschen Informationen des Internets und anderer Medien noch verstärkt. In diesem oft ungeordneten Konglomerat aus Krebs-Diagnose, Hilfsangebot, Versprechen, komplizierten und ggf. unverständlichen oder unverständlich übermittelten Informationen müssen Patienten und Angehörige zurechtkommen und sind damit vor allem auf strukturierte Hilfsangebote und klare empathische Kommunikationsformen, insbesondere der sie behandelnden Ärzte angewiesen.

Onkologisch tätige Ärzte selbst stehen darüber hinaus heute vor einer Fülle komplexer Herausforderungen:

- Das Wissen in der Onkologie bezüglich Grundlagen, Ätiologie und Pathogenese maligner Erkrankungen hat sich vervielfacht.
- Die individualisierte und in therapeutischer Hinsicht teilweise erheblich verbesserte Krebsmedizin führt bei verschiedenen Krebsentitäten zu einer Verschiebung der Behandlungsergebnisse, so dass Krebs zunehmend als „chronische Erkrankung“ angesehen wird
- Trotz der Vielfältigkeit aktueller Therapieoptionen und „verbesserter“ Heilungs- und Behandlungschancen bleibt die potentielle Lebensbedrohung für den Einzelnen bestehen und ist - mehr oder weniger bewusst - unabdingbarer Bestandteil jeder Arzt-Patient-Begegnung
- Die allgegenwärtige Kostendiskussion im Gesundheitswesen, insbesondere im Hinblick auf neue Krebstherapien und die Diskussion um die Off-Label-Verwendung zahlreicher Therapeutika führt bei zahlreichen Patienten zu einer Verunsicherung.
- Der Zugang zu ungefilterten und für den Patienten nicht auf ihre Richtigkeit überprüfbaren Informationen durch das Internet hat in den letzten Jahren extrem zugenommen

Die geschilderten Herausforderungen wirken sich auf die Interaktion mit Patienten, Angehörigen, aber auch auf andere Berufsgruppen und die inter-ärztlicher Kommunikation aus. Universitäre Ausbildung und die berufsbegleitenden Fortbildungen beantworten diese Herausforderung nur unzureichend und klinische Erfahrung kann dies nur teilweise kompensiere.

Um unter diesen Rahmenbedingungen trotzdem zufriedenstellend arbeiten zu können, brauchen onkologisch tätige Ärzte nicht nur Zugang zu medizinisch-wissenschafltichen Fakten im Hinblick auf aktuellste Diagnose- und Therapiemöglichkeiten. Vielmehr ist es für eine "gesunde" Arzt-Patientenbeziehung und eine adäquate (Arzt-)Alltagsbewältigung unabdinglich, darüber hinaus organisatorische und kommunikative Fertigkeiten zu erlernen. Im Mittelpunkt dieser Überlegungen steht dabei die Unterstützung des Arztes in der Entwicklung persönlicher Fähigkeiten, die zunächst in allererster Linie ihm selbst und daraus resultierend Patienten zugutekommen. Je mehr Erleichterung der Arzt bei der Verrichtung seiner täglichen Arbeit spürt, je mehr Möglichkeiten er erlernt, auf seine eigene Arbeitszufriedenheit Einfluss zu nehmen (Selbststeuerung), desto zufriedener wird er sein und umso mehr kann er sich in einem komplexen Arbeitsumfeld dem Patienten

Mit FfO liegt ein Curriculum vor, das Ärzten in der Onkologie ermöglichen soll, mit denen ihnen zur Verfügung stehenden begrenzten Ressourcen an

- persönlicher Verfügbarkeit
- organisatorischen Rahmenbedingungen
- finanziellen Möglichkeiten
- medizinischem Wissen
- und emotionaler Kompetenz

das bestmögliche Ergebnis für Ihre Patienten und in der Bilanz auch für Ihre eigene Zufriedenheit zu erlangen.

Teilnehmer/Zielgruppe

FfO richtet sich primär an onkologisch tätige Ärzte mit mehr als drei-jähriger onkologischer Tätigkeit. Eine Schulung jüngerer Kollegen ist prinzipiell möglich, eine nachhaltigere und an der Realität ausgerichtete Weiterbildung zielt aber auf Ärzte, die innerhalb des Gesundheitssystems selbstverantwortliche Entscheidungen treffen müssen. Die maximale Teilnehmerzahl ist auf 12 begrenzt, die Auswahl wird nach zeitlichem Eingang der Bewerbungen getroffen.

Das Schulungskonzept von FfO ist ausgerichtet auf den Ausbau persönlicher Fähigkeiten, auf die Generierung von Ressourcen als auch um deren effizienten, gezielten und gesteuerten Einsatz.