Arbeitsgruppe Hodentumoren- Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2012

Die German TesticularCancer Study Group (GTCSG) besteht mehrheitlich aus Vertretern der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO), Urologische Onkologie (AUO) und Radioonkologie (ARO), die ihren klinischen und/oder wissenschaftlichen Schwerpunkt im Bereich der Hodentumoren haben. In der Gruppe sind zudem Kolleginnen und Kollegen aus Österreich und der Schweiz vertreten, so dass es sich um eine internationale, deutschsprachige Arbeitsgruppe handelt.

Im vergangenen Jahr hat sich die interdisziplinäre Arbeitsgruppe Hodentumoren einmalig, nämlich am 24.04.2012 getroffen. Hier stand insbesondere die Nachlese nach dem erfolgreich im November 2011 in Berlin abgehaltenen 3rd European Consensus Meeting auf der Tagesordnung. Die Highlights des Treffens sind inzwischen bei Ann Oncol zur Veröffentlichung angenommen (siehe Literaturteil). Aktuelle Projekte, insbesondere Register und Studien, die derzeit durchgeführt werden, sind wie folgt:

Primärtherapie bei Patienten mit „high risk“ Nichtseminom im Stadium I:
Vergleich von einem versus zwei Zyklen PEB bei Patienten mit vaskulärer Invasion im Stadium I des Nichtseminoms (Kontakt: peter.albers@med.uni‐duesseldorf.de). Diese Studie ist derzeit aktiv.

Primärtherapie bei Patienten mit „intermediate prognosis“:
Inzwischen wurde die internationale, leider aufgrund von Rekrutierungsproblemen vorzeitig beendete Phase III Studie der EORTC (mit Beteiligung der GTCSG, MRC, Spanisch GCC) bei Patienten mit „intermediate prognosis“ publiziert. Hier zeigte sich für Patienten mit intermediärer Prognose unter Tax‐BEP versus BEP bei höherer Akuttoxizität eine höhere Ansprechrate und ein besseres progressionsfreies Überleben bei allerdings vergleichbarem Gesamtüberleben für die Vierfach‐Kombination. Diese Studie ist beendet.

Rezidiv nach Cisplatintherapie:
Für die Patientengruppe der Rezidivpatienten wurde bis 2011 ein Register betrieben, um die Behandlungsrealität in Deutschland zu erfassen, bis ein internationales Studienkonzept vorliegt. Derzeit sind über 200 Patienten eingeschlossen, es werden noch ausstehende Daten von den beteiligten Zentren eingesammelt und dann eine Auswertung vorgenommen (Kontakt: c.bokemeyer@uke.de, k.oechsle@uke.de). Diese Erhebung ist beendet.

Unter maßgeblicher Beteiligung der Arbeitsgruppe wurde im J Clin Oncol im März 2012 eine Publikation zum LZ‐Follow up der randomisierten Phase III Studie zu singulärer versus sequentieller Hochdosistherapie veröffentlicht, wobei das Überleben nach sequentieller Hochdosistherapie tendenziell besser war und die Frühmortalität signifikant geringer war.
Patienten mit cisplatinrefraktärer Erkrankung oder multiplen Rezidiven (nach Hochdosistherapie) konnten bis September 2012 in eine Studie zum Einsatz von Everolimus eingeschlossen werden. Die Studie hat inzwischen voll rekrutiert und soll demnächst in die Auswertung gehen (fenner.martin@mh‐hannover.de). Diese Studie ist beendet.

Nachsorge‐Konzept: Nach ausführlicher interner Diskussion hatte die Gesamtgruppe der GTCSG bereits 2011 ein Konzept zur strukturierten Nachsorge erarbeitet. Ziel ist es, bei Beibehaltung der Patientensicherheit eine risikoadaptierte Nachsorgestrategie zu verfolgen, was insbesondere den Einsatz von Schnittbildgebung reduzieren soll. Ein entsprechendes standardisiertes Vorgehen wurde erarbeitet und ist in verschiedenen Zeitschriften wortgleich publiziert worden, um eine große Leserschaft zu erreichen (u.a. in Onkologie Januar 2011, Strahlentherapie und Onkologie März 2011, Urologe Juli 2011). Eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung der Ergebnisse dieser standardisierten Nachsorge auf der Basis einer multizentrischen Datenerfassung ist geplant, in der Schweiz wurde bei der Schweizer Krebsliga ein entsprechendes Projekt zur Förderung (in der Schweiz) eingereicht.

Derzeit aktive Registerstudien
‐ Erfassung Leydig‐Zell‐Tumoren (Kontakt: sabine.kliesch@ukmuenster.de)
‐ Organerhaltende Tumorresektion (Kontakt: aheidenreich@ukaachen.de)
‐ Erfassung von Patienten mit Knochenmetastasen (Kontakt: k.oechsle@uke.de)
‐ Patienten mit IGCCCG "Poor risk" (Kontakt: c.bokemeyer@uke.de, k.oechsle@uke.de)
‐ Erfassung von Patienten mit ZNS‐Metastasen (Kontakt: Anja.Lorch@med.uni‐duesseldorf.de)

Projekte in Planung/Vorbereitung:
Eine Therapiestudie für Patienten mit Seminom im Stadium IIA/B: Das Konzept sieht eine Therapie mit einem Zyklus Carboplatin in einer Dosierung von AUC 7 vor, gefolgt von einer Bestrahlung der initialen Tumormanifestation im Sinne eines "involvednode". Hierdurch wird eine erhebliche Reduktion des Strahlenfelds erwartet, bei hoffentlich niedrigen Rezidivraten. Es wird eine ehrgeizige Rekrutierung von 110 Patienten angestrebt.

Eine Therapiestudie zum Vergleich einer konventionellen versus Hochdosistherapie im Rezidiv. Dies soll eine internationale, randomisierte Phase III Studie („TIGER‐Trial“) werden. In der Planung zeigen sich aber erhebliche organisatorische und finanzielle Probleme.

Die Interdisziplinäre Arbeitsgruppe Hodentumoren betreibt eine eigene Homepage mit Darstellung der Kontakte, Aktivitäten und aktuellen Dokumenten: www.hodenkrebs.de.

Publikationen
Belge G, Dieckmann KP, Spiekermann M, Balks T, Bullerdiek J. Serum levels of microRNAs miR‐371‐3: a novel class of serum biomarkers for testicular germ cell tumors? Eur Urol. 2012 May;61(5):1068‐9.

Bremmer F, Thelen P, Pottek T, Behnes CL, Radzun HJ, Schweyer S. Expression and function of the vitamin D receptor in malignant germ cell tumour of the testis. Anticancer Res. 2012 Jan;32(1):341‐9 Calabrò F, Albers P, Bokemeyer C, Martin C, Einhorn LH, Horwich A, Krege S, Schmoll HJ, Sternberg CN, Daugaard G. The contemporary role of chemotherapy for advanced testis cancer: a systematic review of the literature. Eur Urol. 2012 Jun;61(6):1212‐21.

Daneshmand S, Albers P, Fosså SD, Heidenreich A, Kollmannsberger C, Krege S, Nichols C, Oldenburg J, Wood L. Contemporary management of postchemotherapy testis cancer. Eur Urol. 2012 Nov;62(5):867‐76. de Wit R, Skoneczna I, Daugaard G, De Santis M, Garin A, Aass N, Witjes AJ, Albers P, White JD, Germa‐Lluch JR, Marreaud S, Collette L. Randomized phase III study comparing paclitaxel‐bleomycin, etoposide, and cisplatin (BEP) to standard BEP in intermediate‐prognosis germ‐cell cancer: intergroup study EORTC 30983. J Clin Oncol. 2012 Mar 10;30(8):792‐9.

Dyshlovoy SA, Naeth I, Venz S, Preukschas M, Sievert H, Jacobsen C, Shubina LK, Gesell Salazar M, Scharf C, Walther R, Krepstakies M, Priyadarshini P, Hauber J, Fedorov SN, Bokemeyer C, Stonik VA, Balabanov S, Honecker F. Proteomic profiling of germ cell cancer cells treated with aaptamine, a marine alkaloid with antiproliferative activity. J Proteome Res. 2012 Apr 6;11(4):2316‐30.

Fenske AE, Glaesener S, Bokemeyer C, Thomale J, Dahm‐Daphi J, Honecker F, Dartsch DC. Cisplatin resistance induced in germ cell tumour cells is due to reduced susceptibility towards cell death but not to altered DNA damage induction or repair. Cancer Lett. 2012 Nov 28;324(2):171‐8.

Heidenreich A, Pfister D. Management of patients with clinical stage I nonseminomatous testicular germ cell tumours: active surveillance versus primary chemotherapy versus nerve sparing retroperitoneal lymphadenectomy. Arch Esp Urol. 2012 Mar;65(2):215‐26.

Heidenreich A, Pfister D. Retroperitoneal lymphadenectomy and resection for testicular cancer: an update on best practice. Ther Adv Urol. 2012 Aug;4(4):187‐205

Lorch A, Kleinhans A, Kramar A, Kollmannsberger CK, Hartmann JT, Bokemeyer C, Rick O, Beyer J. Sequential versus single high‐dose chemotherapy in patients with relapsed or refractory germ cell tumors: long‐term results of a prospective randomized trial. J Clin Oncol. 2012 Mar 10;30(8):800‐5.

Mohr M, Hartig I, Kessler T, Hamisch C, Kliesch S, Krug U, Spieker T, Semik M, Wiebe K, Pühse G, Hertle L, Liersch R, Müller‐Tidow C, Mesters RM, Berdel WE. High‐dose chemotherapy with autologous PBSC transplantation for poor prognosis germ cell tumors: a retrospective monocenter analysis of 44 cases. Bone Marrow Transplant. 2012 Feb 13. [Epub ahead of print]

Oechsle K, Bokemeyer C, Kollmannsberger C, Mayer F, Berger LA, Oing C, Honecker F. Bone metastases in germ cell tumor patients. J Cancer Res Clin Oncol. 2012 Jun;138(6):947‐52.

Schirren J, Trainer S, Eberlein M, Lorch A, Beyer J, Bölükbas S. The role of residual tumor resection in the management of nonseminomatous germ cell cancer of testicular origin. Thorac Cardiovasc Surg. 2012 Sep;60(6):405‐12.

Winter C, Pfister D, Busch J, Bingöl C, Ranft U, Schrader M, Dieckmann KP, Heidenreich A, Albers P. Residual tumor size and IGCCCG risk classification predict additional vascular procedures in patients with germ cell tumors and residual tumor resection: a multicenter analysis of the German Testicular Cancer Study Group. Eur Urol. 2012 Feb;61(2):403‐9.