Arbeitsgruppe Translationale Forschung - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2012

Die AG „Translationale Forschung“ der AIO ist verantwortlich für die Integrierung translationaler Fragestellungen in klinische Studien der AIO. Hierzu wurden im letzten Jahr verschiedene SOPs entwickelt, die es den LKPs erleichtern sollen, prospektiv Biomarker an Blut- oder Gewebematerial der Studienpatienten zu identifizieren und zu validieren. So wird Hilfestellung geleistet bei der Erstellung von ICs, die die Biomaterialsammlung und translationale Untersuchungen innerhalb der Studie umfassen sollen, bei der standardisierten Probenentnahme sowie bei der Biomaterialsammlung selbst. Standorte für die Gewebeprobensammlung sind vor allem das Institut für Pathologie in Dresden unter der Leitung von Prof. Baretton, der LMU unter der Leitung von Prof. Kirchner und der Ruhr-Universität Bochum unter der Leitung von Prof. Tannapfel. Das „liquid biobanking“ wird derzeit aufgebaut und steht bislang an der LMU München zur Verfügung. Die Datenschutzkonzepte der Biomaterialsammlungen wurden nach Empfehlung der TMF (Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung e.V.) konzipiert und umgesetzt und sind organbezogen. Das Bochumer Konzept wird noch in diesem Jahr abschließend durch die TMF begutachtet. Die Allokation der Proben an die jeweiligen Forschergruppen wird nach Antragstellung (Formular bei der AIO) über ein jeweils von der Organgruppe und der Studienleitgruppe bestimmtes Review-Board geregelt. Voraussetzungen für die Bewilligung sind neben einer externen Finanzierung des Projektes, die Expertise der Arbeitsgruppe und eine begleitende Biometrie.

Für eine Reihe klinischer Therapiestudien ist die Biomaterialsammlung bereits zentral organisiert, so z.B. die laufende First-Line Studie der KRK Gruppe, die AIO-KRK-0207 (LKP Prof. Hegewisch-Becker, Hamburg). Beim Herbstmeeting werden erste Ergebnisse der laufenden translationalen Begleitprojekte berichtet, zum einen zum Serummarkerprojekt der AG Kolligs in München und zum anderen zum Gewebe-basierten miRNA Projekt aus Bochum. Im Bochumer Projekt wurden zunächst in einer Pilotstudie aus Proben der AIO-KRK-0604 (LKP: Prof. Schmiegel, Bochum) 3 miRNAs identifiziert, die in der Lage waren, Patienten mit fortgeschrittenem Darmkrebs unter einer Chemotherapie mit Capox-Bevacizumab mit kurzem progressionsfreiem Überleben (< 6 Monate) von solchen mit langem progressionsfreiem Überleben (> 12 Monte) signifikant zu trennen. Zwei miRNAs konnten in der Real-Time PCR bestätigt werden. Im zweiten unabhängigen Kollektiv der AIO-KRK-0207-Studie konnte für eine der miRNAs ein Trend für die Differenzierung gute versus schlechte Prognose gezeigt werden. Aktuell wird analog zu Präsentationen auf dem diesjährigen ASCO mittels in-situ Hybridisierung untersucht, wo im Gewebe die miRNA-Expression lokalisiert ist und ob die Expressionsstärke mit der Zeit des progressionsfreien Überlebens in Zusammenhang gebracht werden kann. In Planung sind neben translationalen Untersuchungen für Einzelstudien auch übergreifende Projekte, z.B. der laufenden kolorektalen Lebermetastasenstudien der AIO und ihrer assoziierten Partner.

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeitsgruppe ist die Durchführung Biomarker-basierter klinischer Therapiestudien. Die von der Mannheimer Arbeitsgruppe (Direktor der Medizinischen Klinik II: Prof. M Ebert) in Kooperation mit der Irischen Studiengruppe ICORG begonnene Biomarkerstudie „Angiopredict“ wird ebenfalls auf dem Herbstmeeting vorgestellt. Die Studie, die von der EU gefördert wird, soll unter einer Firstline Therapie mit Folfiri-Bevacizumab Biomarker für eine antiangiogenetische Therapie identifizieren und validieren.

Schließlich wird derzeit über eine Kooperation der KRK-Gruppe und der TF-Gruppe eine AIO eigene molekulare Screening-Plattform für das kolorektale Karzinom entwickelt, die zum einen Daten für die EORTC Plattform Spectacolor liefern soll, auf der anderen Seite AIO-Zentren die Möglichkeit geben soll, Patienten in innovative Biomarker-basierte Studien einzubringen.