Arbeitsgruppe ZNS/Meningeosis - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2012

Die AG ZNS/Meningeosis hat beim DKK 2012 ein Symposium mit dem Schwerpunkt Hirntumore/ Meningeosis ausgerichtet. Frau Priv.-Doz. Dr. Korfel referierte das Thema Diagnostik von Hirnmetastasen und Meningeosis. Prof. Illerhaus stellte die aktuellen therapeutischen Möglichkeiten bei ZNS Lymphomen dar, während Prof. Schlegel über Spätfolgen einer Chemo- und/oder Strahlentherapie des ZNS berichtete.
Die Zertifizierungskommission für Neuro-onkologische Zentren beriet am 20.09.2012 unter Teilnahme der AG (Frau Priv.-Doz. Dr. Korfel). Das Protokoll zur Zertifizierung wurde bearbeitet. Kommentare eingebracht. Die Verabschiedung ist für Dezember 2012 vorgesehen.

Mitglieder der AG haben in 2012 AIO-assoziierte Studien geplant bzw. bereits begonnen:

Glioblastom: Bevazicumab: Bei Patienten mit neu diagnostiziertem Glioblastom soll die postoperative Radio-Chemo-Therapie (EORTC-Konzept) im experimentellen Arm durch die Hinzunahme des VEGF-Antikörpers Bevacizumab verbessert werden (AVAGlio-Studie). Diese Studie wurde mit dem Ziel der Zulassung von Bevacizumab (Avastin) in der Primärtherapie des Glioblastoms durchgeführt. Es erfolgt keine molekulare Analyse des MGMT-Promotors vor Studieneinschluss. Die Ergebnisse der Studie zeigen bezüglich des progressionsfreien Überlebens einen statistisch signifikanten Vorteil im Bevacizumab-Arm, die im vorliegenden Studien-Design entscheidenderen Overall Survival Daten liegen vor, werden aber erst im November 2012 auf dem SNO-Meeting veröffentlicht. Bisher sind die OS Daten nicht publiziert.
 
Zwei unterschiedlich dosierte Bevacizumab-Konzepte sollten in einer Phase III Studie federführend durch das Zentrum Velen geprüft werden. Das Studienvorhaben als solches wurde inzwischen von der Ethikkommission positiv bewertet. Die Studie ist als AIO-Studie geplant. Voraussetzung für die Teilnahme ist die schriftliche Bestätigung des teilnehmenden Zentrums, alle für die Studie in Frage kommenden Patienten, sofern diese eine Teilnahme nicht ablehnen, zu rekrutieren. Um einen "Bias" zu vermeiden, dürften an dem teilnehmenden Zentrum keine konkurrierenden Studien für die gleiche Indikation aktiv sein. Für die Realisierung der Studie, ist die Unterstützung des GBA angefragt; der Vorgang noch nicht abgeschlossen. Sobald eine Realisierung möglich ist, erfolgt eine Meldung an die AIO-Geschäftsstelle.
 
Ein weiterer interessanter Therapieansatz in der Therapie des Glioblastoms könnte der Antikörper gegen Hepatocyten-Wachstumsfaktor (MetMab der Firma Genentech/Roche) sein. Es wird vermutet, dass über Hepatozyten-Wachstumsfaktor Zelladhäsion und –proliferation von malignen Zellen vermittelt/unterhalten wird. Roche führt derzeit eine weltweite Phase II/III Studie durch, die im ersten Rezidiv bei Patienten mit Glioblastom den Einsatz von MetMab Mono und in Kombination mit Bevacizumab gegen den „Standard“ Bevacizumab testet. Interessanterweise liegen bisher keine aussagekräftigen Phase I Daten zu MetMAb beim Glioblastom vor, auch ist der definierte Therapiestandard im Bereich der EMA nicht zugelassen. Dennoch ist diese Studie derzeit die einzige Möglichkeit, Patienten im Rezidiv eines Glioblastoms außerhalb der „off-label“-Regelung mit Bevacizumab zu behandeln. Das Neuroonkologische Zentrum Velen nimmt als eines der wenigen deutschen Zentren an dieser Studie teil. Hierüber können Patienten der Arbeitsgruppe eingeschlossen werden.

Laufende Studien

Prospektive Beobachtungsstudie zur Behandlungspraxis des ZNS-Befalls aggressiver Lymphome in der klinischen Routine (AIO-ZNS-0110).
Es handelt sich um ein prospektives Register zur Beurteilung der Diagnostik und der Therapie des ZNS-Befalls aggressiver Lymphome in der täglichen Routine. Erfasst werden soll der Krankheits- und Behandlungsverlauf von 100 Patienten. Ein sekundärer ZNS-Befall durch ein systemisches Lymphom ist das einzige Einschlusskriterium, es gibt keine Ausschlusskriterien und es sind keine Prozeduren vorgegeben. Alle Unterlagen befinden sich auf der Homepage der AIO http://www.aio-portal.de/index.php/studien-217.html. Die Studienleiterin ist Frau Priv.-Doz.Dr. A. Korfel, Campus Benjamin Franklin der Charité Berlin. Eingeschlossen wurden bisher 36 Patienten aus 9 Zentren, Patientenmeldung aus allen Zentren bundesweit  ist ausdrücklich erwünscht.

Geschlossene Studien

Phase II Studie zur Prüfung der kombinierten systemischen und intrathekalen Chemotherapie mit nachfolgender Hochdosischemotherapie und autologer Stammzelltransplantation bei ZNS-Rezidiven aggressiver Lymphome (AIO-Joint).
Diese Studie wurde nach Einschluss von 30 auswertbaren Patienten wie geplant beendet. Patienten ≤65 J erhielten hier eine Induktionschemotherapie mit Hochdosis Methotrexat, Ifosfamid und Depocyte intrathekal gefolgt von Hochdosis Cytarabin, Thiotepa und Depocyte intrathekal und anschließend, sollte es zu keinem Progress gekommen sein, eine Hochdosischemotherapie mit BCNU und Thiotepa und eine autologe Stammzelltransplantation (HD-ASCT).  Insgesamt erhielten 24 der 30 evaluierbaren Patienten die HD-ASCT. Eine CR wurde bei 15 (63%) dieser Patienten erreicht und eine PR bei 2 (8%), während  7 Patienten (29%) progredient waren. Das progressionsfreie Überleben nach 2 Jahren (primärer Endpunkt der Studie) betrug 49% für alle 30 Patienten und 58% für die transplantierten Patienten. Das Gesamtüberleben nach 2 Jahren betrug im Gesamtkollektiv 63% und 68% bei den transplantierten Patienten. Unter Berücksichtigung, dass das bisher in der Literatur berichtete mediane Gesamtüberleben bei dieser Entität nur wenige Monate betrug, sind das außergewöhnlich gute Ergebnisse. Die Publikationen zu dieser Studie befindet sich z.Z. in Revision bei Haematologica.
Eine Nachfolgestudie, die das Konzept an einem größeren Patientenkollektiv überprüft und darüber hinaus ein neues Therapiekonzept beim ZNS-Befall eines systemischen Lymphoms bereits bei der Erstdiagnose überprüft befindet sich in Vorbereitung (Kontakt: Priv.-Doz. Dr. A Korfel).

Die Studie „Phase II-Pilotstudie zur kombinierten systemischen und intrathekalen Chemotherapie mit Methotrexat, Ifosfamid und liposomalem Cytarabin (DepoCyte®) bei HER2/neu-negativen Patientinnen mit Mammakarzinom und Meningeosis neoplastica“ (AIO-Joint) wurde wg. einer nahezu fehlender Rekrutierung geschlossen. Neue Projekte auf diesem Gebiet sind geplant und werden bei der Herbstjahrestagung 2012 diskutiert.

Publikationen

Fischer L. et al., Systemic and intrathecal chemotherapy followed by high-dose chemotherapy with autologous stem cell transplantation (HD-ASCT) for CNS relapse of aggressive lymphomas: A potentially curative approach? J Clin Oncol 29: 2011 (suppl; #8005, oral presentation)

Fischer L. et al., First results of a phase II study with combined systemic and intrathecal chemotherapy followed by high-dose chemotherapy for CNS relapse of aggressive lymphomas Onkologie 2011;34(suppl 6):1-305 (V649)

Korfel A et al. Systemic and intrathecal chemotherapy followed by high-dose chemotherapy with autologous stem-cell transplantation for CNS relapse of aggressive lymphomas: a potentially curative approach? Ann Oncol Vol 22, Suppl 4, June 2011