Arbeitsgruppe Hepatobiliäre Tumoren - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2018

Die Arbeitsgruppe wird vertreten durch Internisten, Chirurgen und Radiologen, die sich auf die Therapie der hepatobiliären Tumoren spezialisiert haben. Wissenschaftliche Schwerpunkte der laufenden und geplanten Studien sind sowohl die Integration neuer molekularer Substanzen einschließlich translationaler Analysen zur Identifizierung prädiktiver Marker als auch Konzepte zur adjuvanten Therapie.

Neo-/Adjuvante Therapie:

In der ACTICCA-Studie wird in Zusammenarbeit mit den Kollegen der Chirurgie der Stellenwert einer adjuvanten Chemotherapie mit Gemcitabin und Cisplatin nach Resektion von cholangiozelluären Karzinomen (GB, dist. GG und intrahep CCA) untersucht. Nach den Ergebnissen der BILCAP Studie, die beim ASCO 2017 vorgestellt wurde und einen Überlebensvorteil für eine adjuvante Therapie mit Capecitabin ergeben hatte, erfolgte ein Amendment der Studie. Im aktuellen Studiendesign wird Gemcitabin und Cisplatin nun nicht mehr mit BSC, sondern Capecitabin verglichen und die Patientenzahl wurde auf insgesamt 781 Patienten erhöht.

Es bleibt aber festzuhalten, dass der gezeigte Überlebensvorteil in der BILCAP- Studie für adjuvantes Capecitabine in der ITT- Population statistisch nicht signifikant war und die Studie nur nach Risikogruppenadjustierung als positiv gewertet werden konnte.

Seit dem 13.09.2017 rekrutiert die Studie wieder. Es sind zurzeit in Deutschland 19, Dänemark 1, Niederlanden 4, UK 19, Österreich 1 und Australien 7 Zentren aktiv. Gegenwärtig konnten mehr als 300 Patienten bereits randomisiert werden.

Die GAIN-Studie ist eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Studie der AIO, CALPG (Chirurgische Arbeitsgemeinschaft Leber Galle Pankreas) und ACO (Assoziation Chirurgische Onkologie). Im Rahmen der randomisierten multizentrische Phase III- Studie erfolgt eine neoadjuvante resp. perioperative Chemotherapie mit Gemcitabin plus Cisplatin gefolgt von radikaler Leberresektion versus direkter radikaler Leberresektion (SOC) mit oder ohne adjuvante Chemotherapie (Investigators- Choice) bei zufällig nachgewiesenem „inzidentellem“ Gallenblasenkarzinom nach einfacher Cholezystektomie oder vor radikaler Resektion eines Gallengangskarzinoms (intrahepatisches oder extrahepatisches Cholangiokarzinom).

An der Studie werden im Verlauf der kommenden vier Jahre rund 50 medizinische Zentren teilnehmen. Aktuell sind 28 Zentren gemeldet und starten gegenwärtig die Rekrutierung.

Firstline/Second-line Therapie:

In der IMMUCHEC Studie (AIO-HEP-0117, a randomized phase II trial of durvalumab and tremelIMUmab with gemcitabine or gemcitabine and cisplatin compared to gemcitabine and cisplatin in treatment-naïve patients with CHolangio- and gallbladdEr Carcinoma) wird die duale Checkpoint-Inhibition mittels PD-L1 und CTLA4 Blockade in Kombination mit Chemotherapie beim CCA in der Erstlinien-Therapie untersucht. Die Studie hat mit der Rekrutierung begonnen. Aktuell sind 21 Patienten in die Studie eingeschlossen.

2 Studienkonzepte sollen beim CCA die Wirkung von nanoliposomalen-Irinotecan in Kombination mit 5-FU/Leucovorin untersuchen.

In der randomisierte, multizentischrischen Phase II NIFE- Studie wird der Stellenwert von Naliri /5-FU/Leucovorin gegenüber dem Standard Cisplatin/Gemcitabin in der Erstlinien-Therapie des inoperablen Gallengangskarzinoms untersucht. In der Studienpopulation sind insgesamt 92 Patienten geplant, 1:1 auf beide Therapiearme verteilt. Der primäre Endpunkt der Studie ist das progressionsfreie Überleben nach 4 Monaten. Es gibt ein obligatorisches translationales Begleitprojekt. In der NALIRICC- Studie wird anlog die Wirksamkeit der Kombination im Vergleich zu 5-Fu in der Zweitlinie evaluiert mit insgesamt 100 Patienten, die 1:1 auf beide Therapiearme verteilt werden. Primärer Endpunkt ist auf Grund des zu erwartenden Cross-over der Patienten im Kontrollarm zu nal-Iri ebenfalls das PFS.

Beide Studien haben 2018 die Rekrutierung aufgenommen. In der NIFE-Studie sind aktuell 20 Patienten eingeschlossen, in der NALIRICC-Studie sind es gegenwärtig ca. doppelt so viele.

In einem ähnlichen Design wird in der etwas kleineren Frankfurter IRIBIL- Studie, die Wirksamkeit und Sicherheit einer Chemotherapie mit 5-FU, Folinsäure und Irinotecan (FOLFIRI) im Vergleich zur Chemotherapie mit 5-FU und Folinsäure in der Zweitlinie untersucht. Die ersten Patienten wurden in die Studie eingeschlossen. Die Studie rekrutiert zurzeit aktiv und es können gerne weitere Patienten eingeschlossen werden.

Die AIO-assoziierte PIITCAP- Studie ist abgeschlossen, in dieser Phase-II Studie wurden therapie-refraktäre Patienten mit Gallengangskarzinomen mit dem Chemotherapeutikum CAP7.1 behandelt. CAP7.1 ist eine inaktive Vorstufe des Chemotherapeutikums Etoposid, welches durch eine Carboxylesterase präferentiell in Tumorzellen aktiviert wird. Aufgrund der positiven Ergebnisse ist eine Phase III Studie in Planung.

Die AIO PICCA- Phase II Studie wurde mittlerweile im European Journal of Cancer publiziert (PICCA study: panitumumab in combination with cisplatin/gemcitabine chemotherapy in KRAS wild-type patients with biliary cancer—a randomised biomarker-driven clinical phase II AIO study). Es zeigte sich, dass Panitumumab in Kombination mit Chemotherapie weder ORR, PFS noch OS bei KRAS-Wildtyp Patienten fortgeschrittenem Gallengangs-ca verbessert.  

Das „Das CAO / CAMIC / AIO- Zentralregister für inzidentelle Gallenblasenkarzinome“ – „The German Registry“ der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie beinhaltet zurzeit mehr als 1100 Fälle von inzidentellen Gallenblasenkarzinom. Es soll nun gemeinsam mit der AIO weiter ausgebaut werden. Auch werden gegenwärtig Materialproben der Registerpatienten gesammelt, die dann weiter molekular untersucht werden sollen. Das Register ist das größte biliäre Register in Europa und bei „orphanet“ als „Deutsches Zentralregister okkultes Gallenblasenkarzinom“ gelistet. Daten des Deutschen Zentralregisters haben Eingang in die aktuelle S3- Leitlinie "Diagnostik und Therapie von Gallensteinen" gefunden, die die Therapie des Gallenblasenkarzinoms mit umfasst. Gerne können Patienten an das Register gemeldet werden.