Arbeitsgruppe Supportive Therapie - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2020

Die AG Supportivtherapie ist offen für alle Interessenten mit Therapiestudien der Supportivtherapie. Wir bieten allen Studiengruppen die Kooperation bei Fragestellungen der Supportivtherapie im Rahmen ihrer Studien an.

Studien

-      Studie: Qualitätssicherung bei der Diagnose und Therapie von sekundären Immundefekten (SID) bei Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL) oder Multiplem Myelom (MM) in Deutschland (QS-SID) wurde auf dem diesjährigen DGHO Kongress (Oktober 2020, Hartmut Link, Laura Holtmann, Markus Kerkmann) vorgestellt:

-      Gemeinsame Studie der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO), AG Supportivtherapie und Arbeitsgemeinschaft Supportive Maßnahmen in der Onkologie (AGSMO) in der DKG

Sponsor: AIO-Studien gGmbH,  QS-SID (AIO-SUP-0119/ass)

Zusamenfassung:

Bei SID wird die Immunglobulin-Ersatztherapie (IgRT) in den Richtlinien (GL) für Patienten mit einem IgG-Spiegel < 400mg/dl (oder IgG-Subklassenmangel) und mehr als 3 Infektionen (INF) oder einer schweren INF (≥ Grad 3) empfohlen.  Ein IgRT kann bei einem IgG-Spiegel < 400mg/dl und/oder 1-3 weniger schweren INF (≤ Grad 2) angebracht sein. Die GL-Adhärenz (GLAD) wurde entsprechend der 2019 veröffentlichten Onkopedia GL, den Empfehlungen der Bundesärztekammer und der Europäischen Konferenz über INF bei Leukämie analysiert.

In dieser retrospektiven Stichprobenanalyse, die für Praxen und Krankenhäuser in Deutschland repräsentativ ist, wurden die früheren und aktuellen Behandlungen und INF-Daten bei Patienten erhoben, die eine 2018 begonnene 1., 2. oder 3. und höhere Therapielinie erhielten.

Daten von 1086 Patienten  (CLL 490, MM 596) wurden von 86 Zentren gesammelt. Die Patienten erhielten zu 49,6% (CLL 51,6%; MM 48,0%) eine erste Linie, 29,2% (CLL 30,6%, MM 28,0%) eine zweite Linie und 21,2% (CLL 17,8; MM 24,0%) eine Behandlung in der 3. oder höheren Linien-Therapie. 34,8% aller Patienten entwickelten während der Therapie einen IgG- oder IgG-Subklassenmangel (CLL 35,5%; MM 34,2%). IgRT wurde bei 23,5% der CLL und 14,4% der MM-Patienten. verabreicht.762 INF (CLL 388; MM 374) wurden bei 410 Patienten (37,8%) dokumentiert, 230 (30,1%) INF traten innerhalb von 12 Monaten vor der eigentlichen Behandlungslinie (BT) auf, 532 (69,9%) nach Beginn der eigentlichen Behandlung (AT). Die Zahl der schweren INF (≥ Grad 3) betrug insgesamt 263, davon 175 bei AT. 189 (17,4%) Patienten starben in der Nachbeobachtungsphase, 33 (3,0%) an INF.

CLL-Patienten hatten insgesamt mehr Probleme mit INF als MM-Patienten (40,0% vs. 35,9%) und hatten auch häufiger >3 INF (5,1% vs. 2,7%). Schwere INF (≥ Grad 3) traten jedoch etwas häufiger bei MM-Punkten auf (CLL 15,5% vs. MM 17,8% insgesamt 10,6% vs. 13,3% bei AT).

-      Der Antrag für das Update der S3-Leitlinie „Supportive Therapien bei onkologischen PatientInnen“ wurde im Sommer diesen Jahres eingereicht und wird derzeitig geprüft.

-      Die prospektive Vergleichsstudie zur guten Leitlinienadhärenz „GLAD“ unter der Ägide der AIO hat das Ziel, die Umsetzung von Leitlinien durch standardisierte moderne Fortbildungsmethoden zu verbessern. Ein Antrag zur Förderung wurde überarbeitet und im Juli 2020 bei der Deutschen Krebshilfe eingereicht mit dem Titel: Projekt zur Implementierung und Qualitätssicherung der S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“.

Das geplante Projekt soll erstmals prospektiv, deutschlandweit und repräsentativ den Implementierungsprozess der S3-Leitlinie „Supportive Therapie bei onkologischen PatientInnen“  begleiten, evaluieren und verstärken. Mehrfach ist veröffentlicht worden, dass Leitlinien der Onkologie und der supportiven Therapie nicht ausreichend umgesetzt werden. Es sind daher Maßnahmen erforderlich, die den Wissenstransfer und die Implementierung der S3-Leitlinie Supportive Therapie optimieren.

Das Projekt besteht aus zwei Teilen: Zunächst sollen standardisierte, fallbasierte, interaktive, online-gestützte Fortbildungsmodule für Behandlungsteams konzipiert und produziert werden. Im Anschluss sollen diese im Rahmen einer kontrollierten randomisierten Studie auf ihre Effektivität im Hinblick auf die Anwendung der Leitlinie und eine Verbesserung der Versorgungsqualität im klinischen Alltag evaluiert werden. Zur inhaltlichen Erarbeitung der Fortbildungen und Präsentation der Inhalte in Video-Modulen stehen mit den Antragstellern und kooperierenden Wissenschaftlern ausgewiesene Fachleute der leitliniengerechten onkologischen Supportivtherapie zur Verfügung.

-      Die Studie über Rivaroxaban bei der Behandlung von venösen Thrombembolien bei Krebspatienten, eine randomisierte Phase-III-Studie der CONKO-011-Studiengruppe: Rekrutierung im Juni vorzeitig beendet mit 249 Patienten von 450 Patienten wegen unzureichender Rekrutierung und der Daten von Hokusai und der Select-d Studie. 

Aktueller Stand: Rekrutierung und Follow-Up abgeschlossen, Auswertung ab 11/2020 geplant

Publikationen

Link H, Diel I, Ohlmann CH, Holtmann L, Kerkmann M, Associations Supportive Care in Oncology, Medical Oncology, Urological Oncology within the German Cancer Society the German Osteooncological, Society . Guideline adherence in bone-targeted treatment of cancer patients with bone metastases in Germany. Support Care Cancer. 2020;28(5):2175-84.