Arbeitsgruppe MOLEKULARE UND TRANSLATIONALE ONKOLOGIE - Informationen

Bericht der Arbeitsgruppe vom November 2020

Die Arbeitsgemeinschaft „Molekulare und translationale Onkologie“ beschäftigt sich mit der Implementierung translationaler Forschungsprojekte in die klinischen Studien der AIO und führt selbst Biomarker-getriebene Studien und Registerprojekte durch. Mittlerweile werden in fast allen Studien Biomaterialien (Gewebe, Stuhl, Speichel, Urin und Blut) gesammelt und begleitende Biomarkeranalysen durchgeführt. In der wachsenden Arbeitsgruppe Molekulare und Translationale Onkologie haben sich mehr und mehr Experten und Clinician Scientists zusammengefunden, die auf bestimmte molekulare Techniken und translationale Konzepte spezialisiert sind und ihre Expertise zur Verfügung stellen. Diese Expertise soll auf Wunsch bei der Konzeption, Strukturierung, Umsetzung und Implementierung von translationalen Projekten in AIO Studien beratend angeboten werden. Hierzu wurde zuletzt eine Zusammenstellung der innerhalb der AIO vorhandenen Methoden erstellt, um bei der Studienplanung und Durchführung der immer komplexer werdenden Analysen Ansprechpartner für Planung und Durchführung zu vernetzen.

Die Weiterentwicklung der Präzisionsmedizin in der Onkologie führt darüber hinaus auch zur Etablierung molekularer Tumorboards für die klinische Versorgung. Die Einrichtung dieser Boards stellt damit ein weiteres Instrument in der Translation der molekularen Tumorbiologie in eine gezielte bzw. zielgerichtete Therapie dar.  Mit CONNECT konnte aus der AG heraus unter der wissenschaftlichen Leitung von Frau Prof. S. Loges und Dr. B. Westphalen ein Projekt zur flächendeckenden Erfassung von Präzisionsonkologie die die Versorgungsrealität darstellen ins Leben gerufen werden. Ziel ist es deutschlandweit abgestimmte Strukturen für Molekulare Tumorbords zu schaffen, um Patienten zielgerichtet behandeln zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt wurde im vergangenen Jahr auf die Integration von Clinician Scientists in die AIO und in die AG im Besonderen gelegt. Hierzu sollen in Zukunft gemeinsame Veranstaltungen mit dem Max-Eder Programm der Deutschen Krebshilfe sowie den Mildred-Scheel-Nachwuchszentren erfolgen.

Weiterhin werden innerhalb der Arbeitsgemeinschaft „Molekulare und translationale Onkologie“ translationale Studienkonzepte durchgeführt, über diese Konzepte wird in der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft „Molekulare und translationale Onkologie“ berichtet.

Publikationen

Kurreck, A. et al.: Impact of age on efficacy and early mortality of initial sequential treatment versus upfront combination chemotherapy in patients with metastatic colorectal cancer: a subgroup analysis of a phase III trial (AIO KRK0110, XELAVIRI study). Eur J Cancer, 2020. 137:81-92.

S.S. Lueong, A. Herbst, S. Liffers, N. Bielefeld, P.A. Horn, A. Tannapfel, A. Reinacher-Schick, A. Hinke, S. Hegewisch-Becker, F.T. Kolligs and J.T. Siveke, Serial circulating tumor DNA mutational status in patients with KRAS-mutant metastatic colorectal cancer from the phase 3 AIO KRK0207 trial, Clinical Chemistry 

Noepel-Duennebacke S, Juette H, Feder IS, Kluxen L, Basara N, Hiller W, Herzog T, Klaassen-Mielke R, Mueller L, Senkal M, Engel L, Teschendorf C, Trenn G, Verdoodt B, Wolters H, Uhl W, Reinacher-Schick A, Tannapfel A. High microsatellite instability (MSI-H) is associated with distinct clinical and molecular characteristics and an improved survival in early Colon cancer (CC); real world data from the AIO molecular registry Colopredict Plus. Z Gastroenterol. 2020 Jun;58(6):533-541. doi: 10.1055/a-1156-4433. Epub 2020 Jun 16.

Schmidt, M., D.P. Ankerst, Y. Chen, M. Wiethaler, J. Slotta-Huspenina, K.F. Becker, J. Horstmann, F. Kohlmayer, A. Lehmann, B. Linkohr, K. Strauch, R.M. Schmid, A.S. Quante, and M. Quante, Epidemiological risk factors in a comparison of a Barrett Esophagus Registry (BarretNET) and a case control population in Germany. Cancer Prev Res (Phila), 2020.

Stahler, A. et al.: Single-nucleotide variants, tumour mutational burden and microsatellite instability in patients with metastatic colorectal cancer: Next-generation sequencing results of the FIRE-3 trial. Eur J Cancer, 2020. 137:250-259

Stahler, A. et al.: Amphiregulin expression is a predictive biomarker for EGFR inhibition in metastatic colorectal cancer: combined analysis of three randomized trials. Clin Cancer Res, 2020. Online ahead of print.

Wiethaler, M., J. Slotta-Huspenina, A. Brandtner, J. Horstmann, F. Wein, T. Baumeister, N. Radani, S. Gerland, A. Anand, S. Lange, M. Schmidt, K.-P. Janssen, A. Conrad, W. Johannes, K. Strauch, A.S. Quante, B. Linkohr, K.A. Kuhn, R. Blaser, A. Lehmann, F. Kohlmayer, W. Weichert, R.M. Schmid, K.-F. Becker, and M. Quante, BarrettNET—a prospective registry for risk estimation of patients with Barrett’s esophagus to progress to adenocarcinoma. Diseases of the Esophagus, 2019.

CONNECT - Comprehensive Clinico Genomics Database

Die umfassende molekulare Analyse von Tumorgewebe gewinnt aufgrund der Verfügbarkeit einer rasch zunehmenden Anzahl von teilweise Entitäten-übergreifend zugelassenen molekular-zielgerichteten Substanzen ständig an Bedeutung. Entsprechend nimmt die Zahl der durchgeführten Testungen und darauf basierender Therapieentscheidungen in den meisten Tumorentitäten in allen Sektoren rapide zu. Eine große Herausforderung besteht darin, die Daten der überwiegend seltenen und heterogenen Mutationen strukturiert zu erfassen, um eine wissensgenerierende Versorgung sicherzustellen. Deswegen hat sich die AIO in ihrer Rolle als Dachstruktur, die niedergelassene Onkologen, nicht-universitäre Versorger und Universitätsklinika vernetzt entschlossen, gemeinsam mit dem BNHO eine deutschlandweite strukturierte klinisch-genomische Datenbank aufzubauen, die es ermöglichen wird, die Ergebnisse molekularer Testungen und die anschließende Behandlung von Patienten strukturiert zu erfassen. Diese Datenbank wird so aufgelegt, dass ein Datenaustausch sowie gemeinsame Projekte mit anderen großen deutschen Initiativen in diesem Bereich möglich sind und angestrebt werden (z.B. mit nNGM, ZPM, MII, DKTK-MASTER). Damit sollen aus Versorgungsrealität heraus wichtige Erkenntnisse im Bereich der Präzisionsonkologie gewonnen werden und zukünftige wissenschaftliche Fragestellungen z.B. im Rahmen von klinischen Studien entwickelt werden. Zusätzlich werden wir im Rahmen dieses Projektes AIO-weite molekulare Tumorboards und Aus- und Weiterbildungskonzepte erarbeiten.

Zusammenfassend fußt das CONNECT Projekt auf drei Säulen:

1. Klinisch genomische Datenbank
2. AIO Molekulares Tumorboard
3. Aus- und Weiterbildungskonzepte (Education & Outreach)

Das Projekt befindet sich aktuell in der Planungs- und Finanzierungsphase. Geplant ist ein Projektbeginn im 2. Quartal 2021.

Dr. B. Westphalen (LMU München)
Prof. Dr. Dr. S. Loges (Universitätsmedizin Mannheim, Universität Heidelberg und DKFZ)